Connectivity im Zweiradmarkt

Ready Ride: Der nächste Schritt zum vernetzten Motorrad

Die Motorradwelt galt lange als digitales Entwicklungsland. Eine neue Plattform für vernetzte Motorräder von Harman kombiniert Telematik, Cloud und Over-the-Air-Updates und könnte Bikes in echte Software-Devices verwandeln.

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Harman hat mit Ready Ride eine Plattform für vernetzte Motorräder vorgestellt. Die Lösung kombiniert Telematik-Hardware, Mobilfunkanbindung und Software zu einer integrierten Architektur für digitale Funktionen im Zweirad.
Harman hat mit Ready Ride eine Plattform für vernetzte Motorräder vorgestellt. Die Lösung kombiniert Telematik-Hardware, Mobilfunkanbindung und Software zu einer integrierten Architektur für digitale Funktionen im Zweirad.

Kommt jetzt das vernetzte Motorrad?

Mit Ready Ride kommt erstmals eine speziell für Motorräder entwickelte Connectivity-Plattform auf den Markt. Die Lösung von Harman kombiniert Telematik, Mobilfunkanbindung und Softwaredienste zu einer integrierten Architektur, mit der Hersteller digitale Funktionen schneller in neue Modelle integrieren können. Technologische Basis ist ein Snapdragon Digital Chassis System-on-Chip von Qualcomm, der speziell für Zweiradanwendungen ausgelegt ist. Vorgestellt wurde die Plattform auf dem Mobile World Congress 2026 in Barcelona. Ziel ist es, Motorräder stärker zu vernetzen und digitale Dienste ähnlich selbstverständlich zu machen wie im Automobilbereich.

Wie funktioniert die Plattform für vernetzte Motorräder?

Die Architektur umfasst mehrere Komponenten: eine skalierbare Telematik-Steuereinheit (TCU), einen Software-Stack, Mobilfunkanbindung sowie ein Backend für Fahrzeughersteller. Nach Angaben von Harman unterstützt die Plattform unter anderem:

  • Over-the-Air-Updates (OTA)
  • Ferndiagnosen und Fahrzeugstatus
  • Diebstahlwarnungen und Fahrzeugortung
  • digitale Dienste und App-Integration

Für Hersteller soll sich dadurch vor allem die Time-to-Market verkürzen. Durch die modulare Architektur lässt sich die Plattform über verschiedene Modelle und Märkte hinweg einsetzen. Auch für Fahrer entstehen neue Möglichkeiten: Software-Updates können Funktionen über die gesamte Lebensdauer eines Motorrads erweitern. Gleichzeitig ermöglichen Remote-Diagnosen vereinfachte Serviceprozesse.

Warum sind bisher nur wenige Motorräder vernetzt?

Shahriar Ravari, Director, Ready Ride Business Lead at Harman
„Konnektivität ermöglicht es erstmals, Sicherheitsfunktionen auch im Zweiradsegment systematisch zu erweitern und Fahrer im Ernstfall schneller zu unterstützen“, so Shahriar Ravari, Director, Ready Ride Business Lead bei Harman.

Trotz zunehmender Digitalisierung im Fahrzeugbereich ist der Zweiradmarkt bislang nur begrenzt vernetzt. Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Berg Insight verfügen weltweit weniger als fünf Prozent aller Motorräder über integrierte Telematikfunktionen.

Warum das so ist, wollten wir genauer wissen und haben bei Shahriar Ravari, Director und Business Lead Ready Ride bei Harman, nachgefragt. Ein wesentlicher Grund liegt laut Ravari in der traditionellen Konstruktion von Motorrädern: „Zweiräder wurden historisch stark auf Kostenoptimierung, geringes Gewicht und mechanische Einfachheit ausgelegt“, erklärt er. Dadurch seien digitale Technologien lange nur eingeschränkt integriert worden. Hinzu komme ein struktureller Unterschied zum Automobilmarkt. Während Konnektivität im Pkw-Bereich häufig durch Regulierung, Sicherheitsanforderungen oder abonnementbasierte Dienste vorangetrieben worden sei, hätten solche Treiber im Zweiradsegment lange gefehlt.

Nach Einschätzung von Ravari verändert sich diese Situation jedoch derzeit deutlich. „Fahrer legen heute mehr Wert auf ihre eigene Sicherheit und machen sich zunehmend Sorgen über Fahrzeugdiebstahl“, sagt er. Zudem wachse eine Generation von Nutzern heran, die digitale Dienste und Smartphone-Integration selbstverständlich erwartet. Auch der Boom elektrischer Zweiräder beschleunige die Nachfrage nach Konnektivität.

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Kommen jetzt softwaredefinierte Motorräder?

Parallel zur wachsenden Konnektivität könnte sich im Zweiradsegment eine Entwicklung abzeichnen, die bereits den Automobilsektor prägt: das softwaredefinierte Fahrzeug. Ravari sieht im Motorradmarkt dabei sogar strukturelle Vorteile. „Zweiräder haben eine wesentlich einfachere elektronische Basis mit weniger Legacy-Steuergeräten“, erklärt er. Dadurch lasse sich eine softwareorientierte Plattformarchitektur deutlich leichter umsetzen als bei komplexen Pkw-Architekturen.

Auch kürzere Entwicklungszyklen im Zweiradbereich könnten diesen Wandel beschleunigen. Funktionen könnten zunehmend über Software bereitgestellt und während des Fahrzeugbetriebs aktualisiert werden. „Kunden erwarten heute, dass sich ihr Fahrzeug eher wie ein Smart Device verhält – also mit der Zeit besser wird und neue Funktionen erhält“, so Ravari. Software werde deshalb zunehmend zum zentralen Differenzierungsmerkmal. Die Ready-Ride-Plattform folgt laut Ravari genau diesem Ansatz: Sie kombiniere Konnektivität und Rechenleistung in einer Architektur, die zukünftige digitale Dienste und kontinuierliche Softwareupdates unterstützt.

Diese Technik steckt hinter der Motorrad-Connectivity-Plattform

Motorräder stellen deutlich höhere Anforderungen an Elektroniksysteme als Pkw. Vibrationen, Stöße und Witterungseinflüsse sind im Zweiradalltag deutlich stärker. Die Ready-Ride-Plattform wurde laut Harman deshalb gezielt für diese Bedingungen entwickelt. „Die Plattform ist so ausgelegt, dass sie der deutlich stärkeren Stoß- und Vibrationsbelastung von Zweirädern standhält“, erklärt Ravari. Das Gehäuse ist IP69-zertifiziert und soll auch Hochdruckreinigungen standhalten. Gleichzeitig ist das System deutlich kompakter als klassische Automotive-Telematiksteuergeräte, was die Integration in Motorräder erleichtert.

Die Architektur ist zudem skalierbar. Sie unterstützt Varianten mit 4G oder 5G, GNSS, Wi-Fi sowie Bluetooth. Erweiterte Konfigurationen ermöglichen zusätzliche Funktionen wie Android Auto, Apple CarPlay oder die Integration von Displays. Perspektivisch soll die Plattform weiter ausgebaut werden. „Zukünftige Varianten werden Funktionen wie Advanced Rider Assistance Systems und digitale Fahrzeugschlüssel unterstützen“, sagt Ravari.

So erhöht Konnektivität Sicherheit und Schutz für Motorradfahrer

Neben Komfortfunktionen adressiert die Plattform auch sicherheitsrelevante Aspekte. Nach Angaben von Harman kann das System beispielsweise Unfälle erkennen oder das Umkippen eines Motorrads registrieren und unterstützt eCall-Funktionen. Eine integrierte Backup-Batterie stellt sicher, dass kritische Funktionen auch bei Stromausfall aktiv bleiben. Darüber hinaus sind mehrere Funktionen zum Schutz vor Fahrzeugdiebstahl vorgesehen, etwa:

  • Diebstahlwarnungen
  • Fahrzeugortung
  • Fernstilllegung

Damit soll Konnektivität im Zweiradsegment nicht nur neue digitale Dienste ermöglichen, sondern auch Sicherheit und Fahrzeugschutz verbessern.

Alles Infos zur Konferenz Automotive Software Strategy

Am 19. und 20. Mai 2026 findet in München die 6. Konferenz Automotive Software Strategy statt. Zu den Themen zählen unter anderem das Software-Defined Architectures, intelligentes Datensammeln sowie Safety&Security.

Weitere Informationen zur Automotive Software Strategy finden Sie hier.