AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress: Eine Institution feiert 30. Geburtstag

AEK 2026: Hier entsteht die Zukunft des Autos

Der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress feiert 2026 sein 30-jähriges Jubiläum. In einer Phase tiefgreifender Transformation diskutieren führende Köpfe der Branche über Software-defined Vehicles, KI und neue Kooperationen und zeigen, wie aus Visionen konkrete Lösungen werden.

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Save the Date! Der 30. (!) AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress findet 2026 am 16. und 17. Juni statt.

„Der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress ist für mich vor allem ein Ort des Austauschs – mit hochkarätigen Vorträgen und der Möglichkeit, die Perspektiven der anderen besser zu verstehen“, sagt Dr. Riclef Schmidt-Clausen, SVP Domain Intelligent Cockpit & Body bei Cariad. Auch aus Sicht der Technologieanbieter gehört der Kongress zu den wichtigsten Branchentreffen. Zohar Fox, Co-Founder und CEO von Aurora Labs, beschreibt ihn als Veranstaltung, die „eine außergewöhnliche Mischung aus technischen Experten und führenden Persönlichkeiten der deutschen Automobilindustrie zusammenbringt“.

Wenn sich am 16. und 17. Juni 2026 erneut Topmanager, Entwicklungsverantwortliche und Technologieexperten in Ludwigsburg versammeln, ist das deshalb weit mehr als nur ein weiteres Branchentreffen. Der Internationale AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress (AEK) feiert sein 30-jähriges Jubiläum und findet in einer Phase statt, in der sich die Automobilindustrie grundlegend neu aufstellt. Elektrifizierung, Software-defined Vehicles (SDV), KI-gestützte Entwicklung und neue Kooperationsmodelle verändern die Branche schneller als je zuvor. Der AEK hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als Ort etabliert, an dem diese Transformation diskutiert, eingeordnet und oft auch mit angestoßen wird.

30 Jahre AEK – und die Branche steht vor dem nächsten Umbruch

Feierabendstimmung vor historischer Kulisse: Teilnehmer des AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress genießen nach einem ersten anstrengenden Kongresstag das Networking unter freiem Himmel bei sommerlichem Wetter und entspannter Atmosphäre im Reithaus Ludwigsburg.

Seit seiner Gründung hat sich der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress von einer Fachveranstaltung für Elektronikentwickler zu einem internationalen Treffpunkt der gesamten Automotive-Welt entwickelt. Heute kommen hier OEMs, Tier-1-Zulieferer, Halbleiterhersteller, Softwareunternehmen und Tech-Player zusammen – kurz: das „Who’s who“ der automobilen Elektronik.

Gerade das Jubiläum macht deutlich, wie sehr sich die Themen verändert haben. Ging es früher vor allem um Steuergeräte, Bordnetze und klassische E/E-Architekturen, dreht sich heute vieles um Softwareplattformen, zentrale Rechenarchitekturen, OTA-Updates und künstliche Intelligenz. Fahrzeuge werden zunehmend zu digitalen Systemen auf Rädern und genau deshalb steht der AEK 2026 erneut im Zeichen der Frage, wie aus technologischen Visionen industrielle Realität wird.

2026 wird für SDV zum Realitätstest

Besonders deutlich zeigt sich das beim Thema Software-defined Vehicle. Die Branche hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Strategien und Architekturbilder entwickelt. Doch 2026 dürfte sich entscheiden, welche Hersteller daraus tatsächlich belastbare Systeme machen und welche an organisatorischen Altlasten oder zu starren Entwicklungsprozessen scheitern.

Martin Schleicher, Eclipse SDV Ambassador, beschreibt diesen Wandel prägnant: „Die klassischen Tugenden der Ingenieurskunst wie der Fokus auf Perfektion sind bei SDV nicht mehr ausreichend. Flexibilität ist wichtiger als feste Prozesse, schnelle Reaktion wichtiger als Perfektion.“

Genau darum dürfte es auf dem AEK 2026 gehen: nicht mehr nur um Visionen, sondern um die Fähigkeit, Software schnell, sicher und skalierbar auf die Straße zu bringen. Themen wie hybride zonal-zentrale Architekturen, KI-gestützte Entwicklungsprozesse, Releasezyklen und Updatefähigkeit werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Denn SDV-Reife lässt sich letztlich daran messen, ob neue Funktionen und Verbesserungen regelmäßig und zuverlässig in Fahrzeugflotten ausgerollt werden können.

S-CORE: Vom angekündigten Projekt zur konkreten Umsetzung

Vertreter der Automobilindustrie beim AEK 2025 in Ludwigsburg: Elf führende Unternehmen unterzeichneten ein Memorandum of Understanding zur Gründung eines offenen, herstellerübergreifenden Open-Source-Software-Ecosystems auf Basis von Eclipse S-CORE.

Wie sehr der AEK inzwischen auch zum Schauplatz strategischer Industrieentscheidungen geworden ist, zeigte bereits die vergangene Ausgabe. Beim Kongress 2025 unterzeichneten elf führende Unternehmen der Automobilindustrie ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit an einem offenen Software-Ökosystem auf Basis von Eclipse S-CORE – darunter BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, Continental, ZF, Valeo, ETAS, Hella und Vector Informatik.Die Initiative verfolgt ein klares Ziel: grundlegende Softwarekomponenten – etwa Middleware oder Basisdienste – künftig gemeinsam in einem offenen Framework zu entwickeln, statt sie mehrfach parallel zu erstellen. Dadurch sollen Entwicklungsaufwand reduziert, Innovationsgeschwindigkeit erhöht und gleichzeitig mehr Res-sourcen für differenzierende Funktionen frei werden. Dass dieses Thema kein einmaliger Ankündigungsmoment bleibt, zeigt das Programm des AEK 2026. In einer gemeinsamen Präsentation von BMW und ETAS wollen Dr. Thomas Irawan (ETAS) und Chris Salzmann (BMW Group) zeigen, wie sich die Initiative inzwischen konkret weiterentwickelt hat. Unter dem Titel „The Moment of Delivery: Turning Our Promise into Reality“ soll deutlich werden, wie aus strategischen Absichtserklärungen tatsächlich funktionierende Softwareplattformen entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei ein „Code-first“-Ansatz: Statt langwieriger Abstimmungsprozesse soll produktiver Code zur Grundlage der Zusammenarbeit werden. Vorgestellt wird zudem ein Fahrplan, wie sich S-CORE vom Open-Source-Projekt zu einer produktionsreifen, zertifizierbaren Softwarebasis entwickeln soll – mit Blick auf einen möglichen Serienstart gegen Ende des Jahrzehnts.

Globales Line-up für die Transformation

(v.l.) John Wall, QNX, Dr. Matthias Traub, Vector Informatik und Dr. Stefan Poledna, TTTech Auto stellen exklusiv auf dem AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress ihre neue SDV-Plattform vor.

Auch die ersten bestätigten Sprecher für 2026 unterstreichen den Anspruch des Kongresses. Auf der Bühne stehen unter anderem Dr. Markus Heyn (Bosch), Peter Schiefer (Infineon), Lars Reger (NXP), Nakul Duggal (Qualcomm), Christian Sobottka (Harman) sowie Dr. Florian Weig (BMW), Magnus Östberg (Mercedes-Benz) und Dr. Chengyin Yuan, China Automotive Chip Industry Innovation Strategic Alliance (CACA).Mit Vertretern von Unternehmen wie Google, Texas Instruments, Li Auto, Audi China oder MicroVision spiegelt das Line-up zudem die zunehmende Internationalisierung der Automobil-Elektronik wider. Neben klassischen OEM- und Zulieferperspektiven kommen damit auch Halbleiterunternehmen, Softwareplattformanbieter und neue Mobilitätsplayer zu Wort.

Ein Jubiläum mit Signalwirkung

Dass der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress sein 30-jähriges Bestehen ausgerechnet in einer der tiefgreifendsten Umbruchphasen der Branche feiert, ist mehr als eine schöne Randnotiz. Es unterstreicht, wie zentral Elektronik und Software inzwischen für das Auto geworden sind und wie sehr sich Innovationskraft heute an Architekturkompetenz, Entwicklungsgeschwindigkeit und Kooperationsfähigkeit entscheidet.

Der AEK hat diesen Wandel über Jahrzehnte begleitet. 2026 aber könnte der Kongress noch stärker als sonst zum Seismografen der Branche werden. Denn hier zeigt sich, welche Technologien wirklich tragen, welche Partnerschaften Substanz haben und welche Unternehmen die Transformation vom automobilen Produkt zum softwarebasierten System tatsächlich beherrschen.

Wenn sich im Juni 2026 erneut die wichtigsten Köpfe der Branche in Ludwigsburg treffen, geht es deshalb nicht nur um Rückblicke auf 30 Jahre Kongressgeschichte. Es geht um die nächste Phase der automobilen Zukunft und um die Frage, wer sie technologisch, strategisch und organisatorisch prägen wird.

Ricky Hudi (Congress Chairman, l.) diskutiert mit Dr. Christoph Grote (BMW Group), Armin Prommersberger (Harman) und Maria Anhalt (Elektrobit) Magnus Östberg (Mercedes-Benz) über Herausforderungen und Lösungsansätze für elektronische Architekturen im globalen Maßstab. Auch 2026 wird es wieder hochkarätig besetzte Diskussionen geben.