Die Architektur des Software-Defined Vehicle im Fokus
Aus Open Source soll serienreife Middleware für das Software-Defined Vehicle werden. Auf dem AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress in Ludwigsburg zeigt sich, wie daraus eine Plattform für den Serieneinsatz entstehen kann und woran die Umsetzung noch hängt.
Dr. Nico Hartmann, CTO bei Qorix, spricht im Interview über Middleware als Bindeglied zwischen Open Source, Sicherheitsanforderungen und Serienentwicklung im Software-Defined Vehicle.Qorix
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Der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress in Ludwigsburg gilt seit
jeher als das Klassentreffen der Entscheider und Vordenker der Branche. Doch
selten war der Fokus so klar definiert wie in diesem Jahr: Der Übergang vom
Hardware-zentrierten Fahrzeug zum Software-Defined Vehicle (SDV) ist
keine Vision mehr, sondern ein industrieller Kraftakt.
Inmitten dieser Transformation steht die
Middleware als das unsichtbares, aber entscheidendes Rückgrat. Hier setzt Qorix
an. Als Gründungsmitglied und eine treibende Kraft hinter der Open-Source-Initiative Eclipse S-CORE arbeitet Qorix daran, aus einem
offenen Software-Fundament eine industriell nutzbare Middleware-Plattform für
SDV zu machen. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Entwicklung von Code,
sondern auf der Industrialisierung: also darauf, wie aus kollaborativen
Open-Source-Ansätzen sicherheitskritische, ASIL-D-fähige und serienreife Serienprodukte
entstehen.
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Im Expertengespräch erläutert Dr. Nico Hartmann, CTO Qorix,
wie sein Unternehmen den Spagat zwischen offener Standardisierung und
industrieller Exzellenz meistert und warum die Middleware der Schlüssel für die
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie ist.
Vom „Bauplan“ zum „Gebäude“ – Die Transformation von Open Source
Schichtenmodell einer SDV-Plattform: Im Fokus steht die Softwareebene zwischen Hypervisor und App Framework, während Anwendungen sowie Firmware und Chipsatz außerhalb des Scope liegen.Qorix
Dr. Nico Hartmann: Streng genommen ist Eclipse S-CORE eher
ein Rohbau als ein Bauplan. Der Unterschied ist wichtig: S-CORE liefert bereits
realen Code und damit ein belastbares offenes Fundament. Für OEMs reicht ein
solcher Rohbau allein jedoch nicht aus. Damit daraus eine serienreife Lösung
für High-Performance-Computer wird, braucht es Industrialisierung: deterministisches
Systemverhalten, klar definierte Integrationsschnittstellen, funktionale Sicherheit,
langfristige Wartbarkeit sowie belastbares Release-, Update- und
Lifecycle-Management. Genau an dieser Stelle setzt Qorix an. Wir entwickeln auf
Basis von Eclipse S-CORE eine produktionsreife Middleware-Distribution, die
OEMs und Tier-1-Zuliferer direkt in ihre SDV-Plattformen integrieren können.
Die grundlegenden Mechanismen – wie deterministische
Systemorchestrierung oder effiziente Interprozesskommunikation - sind bereits
im S-CORE-Stack vorhanden. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der
Industrialisierung: Qorix überführt diese Komponenten in eine konsistente
Plattform, optimiert sie für konkrete Hardwareumgebungen und ergänzt sie um
funktionale Garantien sowie langfristigen Support. Das sind Voraussetzungen,
die für den Einsatz in Serienprogrammen entscheidend sind.
Save the date: 30. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress
Am 16. und 17. Juni 2026 findet zum 30. Mal der Internationale AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress (AEK) statt. Dieser Netzwerkkongress ist bereits seit vielen Jahren der Treffpunkt für die Top-Entscheider der Elektro-/Elektronik-Branche und bringt nun zusätzlich die Automotive-Verantwortlichen und die relevanten High-Level-Manager der Tech-Industrie zusammen, um gemeinsam das ganzheitliche Kundenerlebnis zu ermöglichen, das für die Fahrzeuge der Zukunft benötigt wird. Trotz dieser stark zunehmenden Internationalisierung wird der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress von den Teilnehmern immer noch als eine Art "automobiles Familientreffen" bezeichnet.
In Ludwigsburg wird viel über die
Skalierung von Software-Defined Vehicles (SDV) gesprochen. Ein kritischer
Flaschenhals ist die Orchestrierung von Applikationen unterschiedlicher
Kritikalität (Mixed-Criticality). Wie stellt Qorix bei der Industrialisierung
sicher, dass Funktionen wie Zero-Copy-Kommunikation und deterministisches
Laufzeitverhalten nicht nur im Labor, sondern unter realer Last in einer
zentralisierten Zonen-Architektur stabil funktionieren?
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Orchestrierung ist ein Teil der Herausforderung. Die eigentliche
Komplexität liegt jedoch in der Integration. In modernen SDV-Architekturen
stammen Applikationen und Software-Komponenten häufig aus unterschiedlichen
Quellen. Die zentrale Aufgabe besteht darin, diese so zusammenzuführen, dass
sie deterministisch zusammenarbeiten, sich nicht gegenseitig blockieren und
auch unter realer Systemlast stabil bleiben.
Mechanismen wie Zero-Copy-Kommunikation und deterministische
Orchestrierung sind dabei wichtige Bausteine, lösen jedoch nur einen Teil des
Problems. Der entscheidende Beitrag liegt in der industriellen Integration:
Qorix führt diese Komponenten zu einer konsistenten Plattform zusammen,
optimiert sie für konkrete Hardwareumgebungen und stellt ein kontrolliertes,
vorhersagbares Systemverhalten über alle Domänen hinweg sicher – auch unter
realen Betriebsbedingungen.
Effizienz und „Time-to-Market“ für OEMs
Der Zeitdruck bei SDV-Programmen ist enorm. S-CORE verspricht,
den nicht-differenzierenden Teil des Software-Stacks zu standardisieren. Wenn
wir auf die industrielle Integration blicken: Inwieweit verkürzt der Einsatz
eines vorintegrierten Qorix-Stacks inklusive KI-gestützter Developer-Tools die
Entwicklungszyklen für Fahrzeughersteller, und wo genau gewinnen die Ingenieure
dadurch den Freiraum für echte Innovationen?
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Der größte Zeitverlust in SDV-Programmen
entsteht heute nicht durch fehlende Funktionalität, sondern durch den hohen
Aufwand, komplexe Software-Stacks zu integrieren.
Eclipse S-CORE stellt ein
leistungsfähiges und gleichzeitig komplexes Software-Fundament dar. Eine
industrielle Distribution macht diese Komplexität beherrschbar, indem sie
vorintegrierte, getestete und auf konkrete Plattformen abgestimmte Komponenten
bereitstellt. Dadurch wird aus einem offenen Software-Stack eine handhabbare
und einsetzbare Lösung.
Mehrere Erkennungs- und Verarbeitungsstufen führen Kamera- und Lidar-Signale in der Sensorfusion zu einem gemeinsamen Ergebnis zusammen.Qorix
Ergänzend unterstützen Werkzeuge wie Qorix
Developer Entwickler*innen mit KI-gestützten Konfigurations- und
Validierungsworkflows, die Systemkonfigurationen vereinfachen, Fehler
frühzeitig sichtbar machen und konsistente Systemzustände sicherstellen. Gemeinsam
mit begleitenden Leistungen wie Service, Support und Training entsteht so ein
industrielles Gesamtpaket, das die Komplexität beherrschbar macht.
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Dadurch verschiebt sich der Fokus der Entwickler*innen: weg von
der technischen Grundarbeit hin zu Funktionen, die für OEMs tatsächlich den
Unterschied im Wettbewerb machen. So gewinnen Ingenieurteams wieder Zeit für
die eigentliche Wertschöpfung, also für Funktionen, die das Fahrerlebnis und
die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller bestimmen.
Letztlich entscheidet nicht allein der Code über die Zukunft des
Software-Defined Vehicle, sondern die Fähigkeit, offene Software-Fundamente
zuverlässig, beherrschbar und skalierbar in industrielle Plattformen zu
überführen.
Die Industrialisierung der Middleware ist kein abstraktes IT-Thema
mehr – sie ist das Fundament, auf dem die digitale Souveränität der
Automobilhersteller steht. Mit Eclipse S-CORE und den darauf aufbauenden
Performance-Distributionen zeigt Qorix, wie aus Open-Source-Innovation eine industrielle Middleware-Plattform für Software-definierte Fahrzeuge entstehen kann.
Wer erleben möchte, wie diese Architektur in der Praxis die
CPU-Last senkt und Entwicklungsprozesse beschleunigt, sollte den Austausch vor
Ort suchen. Die Experten von Qorix stehen während des gesamten AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongresses in Ludwigsburg am 16. und 17. Juni für vertiefende Gespräche und Live-Einblicke in
die nächste Generation der SDV-Software-Stacks zur Verfügung.
Wir freuen uns darauf, die Diskussionen über die Mobilität von
morgen gemeinsam mit Ihnen im Forum am Schlosspark fortzusetzen.