In der Industrie laufen Maschinen und Anlagen oft jahrzehntelang – doch Ersatzteile fehlen. Mit systematischer Reparatur sichert Kraus Hardware die Reparierbarkeit komplexer Elektronik.
Petra GottwaldPetraGottwaldPetra GottwaldChefredakteurin Elektronik-Titel
2 min
Nach Austausch der betroffenen Bauteile sicherten diverse Referenzmessungen und Inbe-triebnahme-Tests den Reparaturprozess final ab.Kraus Hardware
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Industriegeräte, Maschinen und Anlagen sind in vielen
Branchen auf lange Einsatzzeiten ausgelegt. Laufzeiten von zehn, zwanzig oder
mehr Jahren sind keine Seltenheit – insbesondere in der produzierenden
Industrie, in der Investitionen sorgfältig geplant und abgeschrieben werden.
Während Mechanik und Gehäuse häufig problemlos altern, stellt die integrierte
Elektronik viele Betreiber vor wachsende Herausforderungen: Komponenten werden
abgekündigt, Baugruppen sind nicht mehr lieferbar, und die Ersatzteilversorgung
reißt zunehmend ab.
Ersatzteile fehlen – Anlagen laufen weiter
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Die Folge: Funktionstüchtige Maschinen drohen stillzustehen,
nicht wegen mechanischer Defekte, sondern aufgrund einzelner elektronischer
Baugruppen. Für Betreiber bedeutet das ein erhebliches wirtschaftliches Risiko
– für Geräte- und Anlagenbauer wiederum eröffnet sich an dieser Stelle ein
neues Handlungsfeld. Denn anstatt einen vollständigen Austausch oder
kostspielige Retrofit-Projekte zu empfehlen, können Hersteller und
Serviceanbieter ihren Kunden die langfristige Reparierbarkeit der Elektronik
sichern.
Benjamin Ruß von Kraus Hardware bei der Prüfung der Kälte-Wärme-Kammer.Kraus Hardware
Gerade bei komplexen Steuerungen, Leistungselektronik oder
kundenspezifischen Baugruppen ist dies allerdings kein trivialer Schritt.
Klassische Reparaturkonzepte stoßen hier schnell an ihre Grenzen, wenn
Schaltpläne fehlen, Bauteile nicht dokumentiert sind oder Originalkomponenten
nicht mehr erhältlich sind.
Prozesse „in Serie“
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Was passiert nun aber, wenn die Elektronik nach zehn oder 20
Jahren defekt ist und es keine Ersatzteilversorgung mehr gibt? „Diese Frage
stand am Anfang einer Überlegung, die uns seit einigen Jahren umtreibt“,
erklärt Andreas Kraus, Gesellschafter von Kraus Hardware in Großostheim. „Es
kam immer wieder vor, dass wir elektronische Steuerungen von Maschinen,
Sensoreinheiten oder industrielle Messsysteme repariert haben – und zwar
in Serie: Die gleiche Reparatur wurde also mehrmals ausgeführt. Deshalb kam die
Idee auf, Kooperationen zwischen Anlagenbauern und uns als
Elektronikdienstleister zu etablieren. Wir übernehmen dabei die wiederkehrende
Reparatur von wichtigen elektronischen Baugruppen, die nicht mehr hergestellt
werden.“
Nachhaltigkeit als Treiber – und als Chance
Dass Reparierbarkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist
auch dem wachsenden Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften in der Industrie
geschuldet. Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, Ressourcen effizienter zu
nutzen, Emissionen zu reduzieren und den Materialeinsatz zu optimieren – nicht
zuletzt aufgrund zunehmender regulatorischer Anforderungen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Verlängerung von
Produktlebenszyklen. Die Reparatur bestehender Elektronikbaugruppen ist in
vielen Fällen ressourcenschonender als der Austausch kompletter Module oder
ganzer Maschinen. Gleichzeitig lassen sich Kosten senken, da Neuanschaffungen
vermieden und ungeplante Stillstände reduziert werden.
Wie stark diese Aspekte bereits in den Unternehmen verankert
sind, zeigt die VDI-Studie „Status quo der Ressourceneffizienz“. Mehr als 70
Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen geben an, dass sie
nachhaltige Maßnahmen vor allem zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben umsetzen.
Knapp die Hälfte nutzt Ressourceneffizienz gezielt, um Spar- und
Effizienzpotenziale zu realisieren.
Schaltpläne zur spezifischen Elektronik des Gerätes lagen nicht vor. Die Suche nach Fehlern war insofern aufwändig.Kraus Hardware
Im Umkehrschluss hat der beteiligte Geräte- und Anlagenbauer
ein starkes Argument beim Verkauf von neuen Produkten parat. Schließlich stellt
er so sicher, dass seine Technologie lange im Einsatz bleiben kann. Aber wie
und wo kommt diese Idee konkret zum Tragen? Kraus Hardware hat dazu ein
Beispiel parat hat: Das Unternehmen verfügt über eine Kälte-Wärme-Kammer für
thermische Stresssimulationen. Das Gerät wies zuletzt technische Mängel auf –
nach über 20 Jahre im Einsatz keine Überraschung. Ersatzteile gab es nicht
mehr. Insofern haben die Spezialisten
eine Reparatur initiiert, den Fehler gesucht und systematisch behoben:
Im ersten Schritt erfolgten visuelle
Inspektionen, eine Stromkreisnachverfolgung und Messungen. Zu Letzterem gehörte
etwa der Check von Versorgungsspannungen mit dem Multimeter.
Dabei wurden zum einen diverse Bauteile mit
begrenzter Lebensdauer identifiziert – darunter Elektrolytkondensatoren oder
optoelektronische Komponenten. Zum anderen entstand eine systematische Bill of
Materials (BOM) inklusive der benötigten Artikel für die Reparatur.
Nach dem Austausch der betroffenen Bauteile sicherten diverse Referenzmessungen und
Inbetriebnahme-Tests den Reparaturprozess final ab.
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„Dieser Prozess
macht so nur bei eigenem Equipment wirklich Sinn. Wenn jemand von außen an uns
herantritt, benötigen wir mehr Informationen zur Elektronik, damit der Aufwand
kleiner ist“, betont Andreas Kraus. Trotzdem gilt: Das Ergebnis ist
vorbildhaft. Die Kälte-Wärme-Kammer funktioniert wieder, womit eine hohe
Investitionssumme vermieden wurde – und genau das ist eine Story, die auch für
den Hersteller des Gerätes interessant sein könnte, denn er könnte den Vorteil
„Reparierbarkeit“ direkt an alle Anwender kommunizieren.
Sustainability Gate @ Silicon Saxony Days 2026
Nachhaltigkeit entscheidet zunehmend darüber, wie Elektronik künftig entwickelt, gefertigt und eingesetzt wird. Regulatorische Anforderungen, knappe Ressourcen und steigende Kosten treffen auf einen hohen Innovationsdruck – und verlangen nach neuen Lösungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus.
Genau hier setzt das Sustainability Gate an, das die Fachmagazine productronic und elektronik industrie gemeinsam mit Silicon Saxony e. V. im Rahmen der Silicon Saxony Days 2026 (15.–17. Juni, Flughafen Dresden) veranstalten. Im Mittelpunkt stehen konkrete Ansätze, Erfahrungen und Technologien – von Nachhaltigkeitsmanagement und Design über Fertigungskonzepte bis hin zu Recycling und Kreislaufwirtschaft.
Mit Beiträgen unter anderem von Celus, Elesta, RS Components, Nexperia und dem VDE bringt das Sustainability Gate zentrale Akteure der Branche zusammen und schafft Raum für Austausch und neue Perspektiven. Bleiben Sie gespannt – weitere Details zu Programm und Inhalten folgen in Kürze.