DC-Ladesysteme mit integriertem Batteriespeicher verbinden Photovoltaik, Speicher und Schnellladeleistung auf einer gemeinsamen Plattform. So lassen sich neue Hochleistungsladepunkte auch an Standorten mit begrenzter Netzanschlussleistung wirtschaftlich erschließen.
Wie machen Hochleistungsladepunkte mit PV, Speicher und DC-Bus-Architektur Schnellladen effizienter und netzunabhängiger?XCharge
Anzeige
In
Deutschland sind fast drei Millionen Elektroautos unterwegs, die sich an rund
50.000 Schnellladepunkten laden lassen. Für das erwartete Pkw-Wachstum,
befeuert beispielsweise durch die neuen E-Auto-Förderungen, werden deutlich
mehr Schnelladepunkte benötigt. Dem Ausbau stehen aber eine begrenzte
Netzinfrastruktur und hohe Strompreise entgegen. Eine Lösung für dieses Dilemma
ist es, Strom aus Solaranlagen direkt zum Schnellladen zu nutzen.
Die
Verbindung von Solarstrom und Schnellladen ist naheliegend, wird aber bislang
nur von wenigen Anbietern genutzt. Vorreiter auf dem Gebiet kombinieren bereits
PV-Module mit DC-Schnellladern, verschenken jedoch Potenzial, weil sie auf das
Speichern des Stroms verzichten und überschüssigen Strom ins Netz einspeisen,
wenn gerade kein Fahrzeug geladen wird.
Anzeige
Diese Lösungen integrieren dafür die PV-Erzeugung, den Batteriespeicher und die HPC-Ladetechnik in einem einzigen System auf einer gemeinsamen Gleichstromschiene (Shared DC-Bus).XCharge
Falls
Anbieter doch einen Speicher integrieren, um den PV-Strom lokal zu nutzen, tun
sie das meist über ein separates System. Denn: PV-Anlage, Batteriespeicher und
Ladestation sind rechtlich und technisch häufig getrennte Einheiten, die ein
AC-Verknüpfungspunkt verbindet. Solche AC-gekoppelten Architekturen
konvertieren die durchlaufende Energie mehrfach – vom PV-Wechselrichter über
Speicherinverter bis hin zum Schnelllader. Dabei entstehen signifikante
Verluste. Gleichzeitig erschwert die Systemtrennung eine koordinierte Steuerung
der Energieflüsse.
Neuer
Ansatz: DC-Ladesysteme mit integriertem Batteriespeicher
Lösungen,
die dieses Problem adressieren, integrieren dafür die PV-Erzeugung, den
Batteriespeicher und die HPC-Ladetechnik in einem einzigen System auf einer
gemeinsamen Gleichstromschiene (Shared DC-Bus). Die Komponenten arbeiten direkt
auf DC-Ebene zusammen, was verlustreiche Konvertierungen vermeidet.
Anzeige
Dies
erfolgt beispielsweise über Onboard-Maximum-Power-Point-Tracking-Module
(MTTP-Module), die die Solarenergie direkt verarbeiten und in den DC-Bus
einspeisen. Separate Wechselrichter oder externe Power-Conversion-Systeme sind
nicht mehr nötig. Neben geringeren Umwandlungsverlusten sinken auch Platzbedarf
sowie Integrations- und Wartungsaufwand.
Die
Mischung macht’s: Schnellladen aus Sonne und Netz
Diese
Ladearchitektur ist kein theoretisches Konzept, sondern bereits im Einsatz.
Schnelladesysteme mit integriertem Speicher werden beispielsweise in Pendleton
(Oregon, USA) betrieben. Eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 10 kWp
speist kontinuierlich Energie in den Speicher ein, der genügend Kapazität hat,
um ein Fahrzeug während einer Kaffeepause für
hunderte von weiteren Kilometern zu laden.
Und wenn einmal kein oder nicht genügend Sonnenlicht zur Verfügung
steht: Der Speicher kann auch Energie aus dem Netz aufnehmen – beispielsweise nachts oder zu
Niedrigpreiszeiten; bei geeigneten
regulatorischen Rahmenbedingungen ist auch eine Rückspeisung möglich.
Anzeige
So
funktioniert die DC-Bus-Architektur
Ein
Beispiel für derartige Systeme ist GridLink von XCharge. Es verbindet
Netzanschluss, Photovoltaik, Batteriespeicher und Schnellladeeinheit auf einer
gemeinsamen Gleichstromschiene. Diese DC-Bus-Architektur ermöglicht eine
direkte Koordination aller Energieflüsse innerhalb der Leistungselektronik.
Der
AC-Netzanschluss dient primär als ergänzende Energiequelle und liegt in
typischen Konfigurationen bei Anschlussleistungen um 44 kW. Höhere
Ladeleistungen werden durch den integrierten Batteriespeicher bereitgestellt,
der Lastspitzen puffert und so Schnellladen auch bei begrenzter
Netzanschlussleistung erlaubt. Eine Anbindung an das öffentliche Stromnetz mit
mehreren hundert kW ist also nicht nötig.
Die Leistungsarchitektur basiert auf drei Modultypen: bidirektionale AC/DC-Module für Netz- und Microgrid-Anbindung, bidirektionale DC/DC-Module für die Batterieanbindung sowie MPPT-Module für die direkte PV-Integration.XCharge
Die
Leistungsarchitektur basiert auf drei Modultypen: bidirektionale AC/DC-Module
für Netz- und Microgrid-Anbindung, bidirektionale DC/DC-Module für die
Batterieanbindung sowie MPPT-Module für die direkte PV-Integration. Ein
zentraler Charger-Controller koordiniert alle Leistungsmodule und steuert die
Energieflüsse in Echtzeit. Leistungsmodule kommunizieren über CAN (Controller
Area Network), das Batteriemanagementsystem über Modbus, während die
Backend-Anbindung über OCPP (Open Charge Point Protocol) erfolgt.
Anzeige
Anbindung kleinerer und großer PV-Anlagen
Für
die PV-Anbindung stehen zwei Integrationspfade zur Verfügung. Kleinere
PV-Leistungen lassen sich direkt über integrierte MPPT-Module anbinden (typisch
bis etwa 30 kW). Größere PV-Installationen werden über externe
Leistungselektronik an den DC-Bus gekoppelt, was höhere Leistungen ermöglicht,
jedoch eine präzisere Abstimmung von Busspannung, Schnittstellen und
Schutzfunktionen erfordert.
Das
System arbeitet netzgeführt und besitzt keine netzbildenden Eigenschaften. Ein
Microgrid-Betrieb ist daher nur möglich, wenn eine externe netzbildende
Energiequelle vorhanden ist. Die modulare Architektur erlaubt jedoch eine
Skalierung der Leistungsmodule sowie firmwarebasierte Erweiterungen der
Betriebsfunktionen.
Anzeige
Stromunabhängige Erschließung neuer
Ladepunkte
Mit
dem Solar-Boom – allein 2024 wurden weltweit über eine Million neue PV-Anlagen
installiert – und der steigenden Zahl an Elektrofahrzeugen gewinnt die
intelligente Kopplung von Schnellladen, Photovoltaik und Batteriespeichern an
Bedeutung. Direkt integrierte DC-Architekturen ermöglichen es erstmals, lokal
erzeugte Solarenergie systematisch in den Hochleistungs-Ladebetrieb
einzubinden, ohne dass dafür neue leistungsstarke Stromleitungen verlegt werden
müssen. Schnellladestandorte werden so von reinen Stromlieferanten zu aktiven
Energiesystemknoten.