Drei Dinge, die Du nicht über diese Kolumne wusstest!
Warum Unternehmen mehr Nerds brauchen
Komplexe Herausforderungen lassen sich nicht allein mit Sichtbarkeit und guter Kommunikation lösen. Unternehmen brauchen Fachleute mit tiefem Wissen, Erfahrung und der Fähigkeit, grundlegende Entscheidungen fundiert zu treffen.
Christof HornChristofHorn
2 min
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Kann sich noch jemand an Xing erinnern? Das war die brave deutsche Variante des beruflichen Netzwerks, bis dann LinkedIn das Ruder übernahm. Und mit LinkedIn - das übrigens 2016 von Microsoft gekauft wurde - kam die Amerikanisierung: der Business-Boulevard an Selbstdarstellung, geheimnisumwobenene Algorithmen, die über Nacht Reichweite schenken oder nehmen. Selbsternannte Sales-Gurus, die mir einfach mal so hunderte von neuen Kunden bringen werden. Noch mehr Sales-Leute, die nach zwei unaufgeforderten Nachrichten vom vertraulichen "Du" auf emotionale Erpressung umschwenken.
Und natürlich ist alles ganz großartig auf LinkedIn. Das Team, das Produkt, das Event, die persönliche Karriere. Oder eben die Polarisierung: das China-Debakel, der Mercedes-Untergang, die Analyse der VW-Katastrophe, und warum Europa am Abgrund steht. Am besten dargeboten in einem Hochkant-Video im Insta-Style. Und es sind immer drei Punkte, eins, zwei, drei Finger in die Kamera gehoben - sonst verstehen es die da draußen wohl nicht.
Getting digital done: Die Kolumne von Dr. Christof Horn, Accenture
(Bild: Ferdinand Horn)
Software-defined ist kein Wettlauf um Technologien, sondern um Vorgehensweisen, Geschwindigkeit und Mindset. Was dazu gehört beschreibt Dr. Christof Horn in seiner Kolumne, die auf all-electronics und in der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK erscheint. Die Beiträge zum Nachlesen
Wer von den selbsternannten Experten zu "China-Speed" hat denn tatsächlich in einem chinesischen Unternehmen gearbeitet, in China gelebt, oder auch nur chinesische Autos gefahren? Und wer hat tatsächlich AI so in seiner Firma umgesetzt, dass mehr als der übliche "Proof of Concept" herausgekommen ist?
Statt Firlefanz brauchen wir echten Content. Und damit meine ich nicht professionelle Social-Media-Artikel, sondern echte Fähigkeiten, inhaltliche Tiefe, geronnenes Wissen, harte Fakten. Die alten Griechen unterschieden ganz unterschiedliche Arten von Kompetenzen und Fähigkeiten: Techne als handwerkliches Können, Episteme als theoretische Erkenntnis, Phronesis als praktische Klugheit und die Fähigkeit, in Task Forces richtig zu handeln. Arete als Bestleistung und Exzellenz, und Empeiria, das Erfahrungswissen - nennen wir es Lessons Learned.
Die Diskrepanz zwischen denen, die etwas können, und denen, die über etwas erzählen können, findet sich auch in den Unternehmen selber wieder, nicht nur im Social-Media-Universum. Wer seine Leistungen gut darstellen kann, in den Meetings sprachgewandt glänzt, wer ausreichend Energie auf das Industrieschauspielertum verwendet, hat oft die besseren Karten als der sachliche, introvertierte und stille Experte.
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1x10 ist mehr als 10x1
Doch das rächt sich. Denn die Herausforderungen der heutigen Zeit sind groß, und sie brauchen grundlegende Lösungen für die wirklichen Stellhebel - die berühmten "First Principles". Wer das "SW defined Vehicle" bauen will, muss in aller Tiefe verstehen, wie man exzellente Software schreibt, und die passende Organisation dazu bauen. Wer autonom fahren möchte, braucht die Top-Talente zum Thema KI.
Save the date: 31. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress
Am 22. und 23. Juni 2027 findet zum 31. Mal der Internationale AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress (AEK) statt. Dieser Netzwerkkongress ist bereits seit vielen Jahren der Treffpunkt für die Top-Entscheider der Elektro-/Elektronik-Branche und bringt die Automotive-Verantwortlichen und die relevanten High-Level-Manager der Tech-Industrie zusammen, um gemeinsam das ganzheitliche Kundenerlebnis zu ermöglichen, das für die Fahrzeuge der Zukunft benötigt wird. Trotz dieser stark zunehmenden Internationalisierung wird der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Kongress von den Teilnehmern immer noch als eine Art "automobiles Familientreffen" bezeichnet.
In jeder Disziplin gibt es Menschen, die ein besonders tiefes Verständnis von ihrer Materie haben: die Architekten, die Spezialisten, die "Ten Timer" - und hier sind selbstredend Frauen wie Männer gemeint. Sie verstehen und treffen die grundlegenden Entscheidungen mit großer Tragweite. Sie durchdringen ihre Themen umfassend, so dass die Heerscharen an Umsetzern eine Richtung bekommen. Und sie sind nicht ersetzbar: Es hilft nichts, eine Organisation zu skalieren und hunderte Menschen einzustellen, wenn die entscheidenen fünf oder zehn nicht an Bord sind.
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Für jede Organisation stellen sich damit mehrere Aufgaben. Zum einen müssen sie nicht nur interessant genug sein, um diese Menschen zu sich zu holen - sie müssen auch eine Kultur und Rahmenbedingungen setzen, um diese Menschen auch langfristig zu halten. Und es stellt sich die Frage, wer die Entscheidungen an der Spitze des Organigramms treffen sollte - und ob wir nicht viel mehr Nerds als Chefs brauchen.
Ach ja, noch zu den drei Fakten zu dieser Kolumne. Erstens sind sie garantiert frei von KI. Zweitens schreibe ich sie selber. Und drittens meistens Sonntag morgens, nach dem zweiten Kaffee - dann, wenn die Welt mal kurz innehalten kann vom Automotive-Wahnsinn. (bs)