Mann hält eine Computermaus und sitzt vor einem Monitor

Während für Software nahezu monatlich neue Frameworks und Designprozesse auf den Markt kommen, tut sich bei Werkzeugen und Methodik für die Hardware-Entwicklung seit mehr als zehn Jahren fast nichts. Tobias Pohl, CEO und Mitgründer von Celus, will das mit seiner Cloud-basierten Engineering-Plattform und KI Unterstützung ändern. Doch als Start-up steht er vor einigen Herausforderungen. (Bild: Celus)

Das Start-up Celus, früher Contunity, baut eine Plattform für die Automatisierung von Entwicklungsprozessen in der Elektronikindustrie. Die Cloud-basierte Engineering-Plattform soll es dem Nutzer ermöglichen, anhand einer einfachen Funktionsbeschreibung in Form eines Blockdiagramms Elektronik zu entwickeln. Laut Celus würden sich auf Knopfdruck daraus Bauteillisten, Schaltpläne und Leiterplattenlayouts erstellen lassen.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das zu dem Entschluss führte: „Jetzt will ich ein Start-up gründen“?

Die Idee zum Produkt entstand aus unserer eigenen Frustration heraus. Wir hatten im Rahmen unserer Arbeit als Elektronik-Entwickler mit den langwierigen und manuellen Prozessen zu kämpfen und haben nach Lösungen gesucht. Wir waren der festen Überzeugung, dass sich das ändern muss. Die Gründung war dann die logische Konsequenz. Daraufhin hatten wir das Glück die richtigen Leute mit den passenden Fähigkeiten zu finden, die mit uns gemeinsam das Potential gesehen haben und das Produkt entwickeln konnten und wollten.

Auf welche Förderprogramm konnten Sie als Start-up zurückgreifen?

Die meisten Startups sind direkt nach Gründung absolut kein Business Case für Investoren. Insbesondere bei vielen Deep Tech Startups ist Bootstrapping, das heißt ohne externes Funding zu arbeiten, auch nur sehr schwer möglich. Das gleiche galt für uns. Deswegen sind wir sehr dankbar direkt zu Beginn aus der Universität heraus auf das EXIST Gründerstipendium zurückgreifen zu können, was uns durch das erste Jahr und zur ersten Finanzierung gebracht hat.

Wie war es, die Idee einer „Cloud-basierten Engineering-Plattform“ zu pitchen. Wie viel mussten Sie erklären, bevor es um das Finanzielle ging?

Ein sehr spezielles und technisches Produkt zu pitchen ist definitiv eine stärkere Herausforderung als ein Alltagsprodukt. Hier kommt es darauf an, die Branche zu kennen und die technische Expertise herauszustellen. Das Marktpotential im Bereich Elektronik ist enorm und wir haben uns bemüht, mit entsprechenden Investoren zusammenzuarbeiten. Insbesondere in frühen Phasen geht es dabei primär um das Potential und die Vision, sowie das Vertrauen in das Team.

 

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Ein einziger Visaprozess ist mehr Arbeit wie das Gründen von zehn GmbHs.

Tobias Pohl, Celus

Sie sagten in einem Gespräch „am Notartermin ist noch kein Startup gescheitert“. Wo sehen Sie die größten Hürden für Startups in Deutschland?

Die Formalien – wenn auch Deutschland in vieler Hinsicht bürokratischer sein mag als andere Länder – sind in der Regel nicht das Problem. Wer an der Komplexität der notariellen Gründung scheitert macht sich wohl wenig Vorstellung, welch enorme Komplexität danach im Produkt, Markt und Teamaufbau liegt. Die größte Problematik der deutschen Bürokratie sehe ich in den darauffolgenden Schritten. Mitarbeiter finden und in vielen Fällen aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen ist eine völlig andere Komplexitätsliga. Ein einziger Visaprozess ist mehr Arbeit wie das Gründen von zehn GmbHs. Dazu kommen die sehr hohen Lohnnebenkosten, regulatorischer Overhead usw.

Was angehende Elektronik-Entwickler wissen müssen

ELektronik-Entwicklerin bei der arbeit, Testen und Löten.
(Bild: Scanrail @ AdobeStock)

Kaum eine Branche ist gerade so gefragt wie die Elektronik-Industrie, da sie aktuelle Trendmärkte enorm prägt. Entsprechend hoch ist auch die Nachfrage nach Entwicklern. Wie wird man also Elektronik-Entwickler und welche Karriere-Chancen gibt es? Wir haben das Wichtigste zusammengefasst.

Wenn es in der Öffentlichkeit um Nachhaltigkeit geht, fällt das Wort Elektronik eher selten. Woran liegt das?

Das liegt vermutlich daran, dass Elektronik selten das Thema des Gesprächs ist, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Im Hintergrund ist moderne Elektronik, aber vermutlich die größte Stellschraube bei der Effizienzsteigerung von Produkten. Nahezu alle Geräte werden durch den Einsatz innovativer Steuerungstechnik effizienter gestaltet. Die Hürde dabei ist wie so oft der Entwicklungsaufwand.

Wie kann Ihr Produkt zur Nachhaltigkeit beitragen?

Wenn wir es schaffen, dass der Entwicklungsprozess transparenter wird und wir manuelle Schritte automatisieren können, dann haben die Ingenieure mehr Zeit, ganzheitliche Konzepte zu entwickeln und können spezialisierte hoch effiziente Elektronik für jeden Anwendungsfall entwickeln.  

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Sie sprechen von zu wenig Entwicklern. Wie finden Sie selbst neue Mitarbeiter?

Wir haben uns von Anfang an selbst darum gekümmert und extrem viel Wert darauf gelegt. Deshalb können wir heute auf ein Team von hervorragenden Recruitern in unserer Personalabteilung zurückgreifen, die den gesamten Prozess im Griff haben und für uns die besten Talente aus aller Welt finden. Wichtig für das Recruiting ist auch ein guter Ruf in der Branche und viel Networking. Je mehr wir in den Medien präsent sind, desto stärker kommen Bewerbungen herein.

Beim Blick auf Bewertungsportal stechen die vielen sehr positiven Bewertungen hervor. Wie schaffen Sie das?

Wir waren uns zu jeder Zeit bewusst, dass unser Team unsere größte Stärke ist, und wir pflegen das faire Miteinander. Wir sind ein sehr diverses Team – weit über 20 Nationalitäten arbeiten bei Celus. Das ist natürlich nicht immer einfach, da jede/r einen anderen kulturellen Hintergrund hat. Gleichzeitig ist dies jedoch auch unsere Stärke, da wir uns um kreative Impulse nicht sorgen müssen.

Wir sind gerade von kununu, der großen deutschsprachigen Arbeitgeber-Bewertungs-Plattform als Top Company 2023 ausgezeichnet worden. Darauf sind wir sehr stolz.

Die Bundesregierung arbeitet an einer Vereinfachung der Zuwanderung von Fachkräften. Wie schätzen Sie diese Bemühungen ein?

Meiner Meinung nach ist das vermutlich die größte Stellschraube, die der deutsche Staat hat, um Wirtschaftswachstum und Innovationskraft Deutschlands in der Zukunft sicher zu stellen. Für uns als Unternehmen, und ich spreche da sicherlich für einige Gründer und Unternehmerkollegen, würde das Recruiting vereinfachen und uns mehr unkomplizierten Zugang zu den schlausten Köpfen aus allen Ländern geben.

Das Team von Celus auf einer Treppe
Bei Celus arbeiten weit über 20 Nationalitäten zusammen. Das bringt Herausforderungen im Arbeitsalltag mit sich, aber vor allem auch beim Recruiting und bürokratischen Monstern wie Visaprozessen. (Bild: Celus)

Sehen Sie sich eigentlich noch als Startup? Wann wäre der Punkt erreicht, dass Sie das nicht mehr tun?

Definitiv! Vermutlich auch noch ziemlich lange. Ein Startup ist für mich ein Unternehmen, dass entweder im Produkt, im Markt oder im Geschäftsmodell große Unsicherheit und hohe Risiken vor sich hat. Für uns gelten mehrere Punkte bis heute. Ein großer Meilenstein wäre vollständige Profitabilität, aber selbst das kein wirkliches Kriterium dafür ein Startup zu sein.

Welche Rollen spielen für Sie Messen?

Wir haben gerade einen sehr erfolgreichen Auftritt auf der electronica 2022 hinter uns gebracht. Die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, ist hervorragend und wird natürlich gerade nach 2 Jahren Pandemie sehr wertgeschätzt. Durch den persönlichen Dialog mit Anwendern und Branchenkennern erhalten wir wichtiges Feedback für unsere Entwicklung und der Vertrieb. Neue Kontakte konnten geknüpft werden und wir haben viele Anfragen für unseren „Guided Trial“ erhalten: Um unseren Interessenten die Möglichkeiten der Automatisierung in ihrem Unternehmen aufzuzeigen, bieten wir einen geführten Evaluierungsprozess an. So ermöglichen wir es den Teams, die Plattform im Kontext ihrer spezifischen Aufgaben und Arbeitsweisen zu testen und sicherzustellen, dass der Automatisierungsansatz den bestmöglichen Nutzen bietet.

Unser nächster Messetermin ist die embedded world in Nürnberg im März 2023

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