Markus Hell, Claus Vogt und Patrick von Unold (von li. nach re.) zu den aktuellen und zukünftigen Trends im Displaymarkt.

Markus Hell, Claus Vogt und Patrick von Unold (von li. nach re.) zu den aktuellen und zukünftigen Trends im Displaymarkt. (Bild: Data Modul)

Data Modul bietet auch Displays in Sonderformaten. Können Sie bitte einige Formate und die Einsatzbereiche auflisten.

Claus Vogt: Zu den Sonderformaten gehören unter anderem Streched- und Bartype-Displays. Diese werden verbaut, wenn nur eine geringe Einbauhöhe zur Verfügung steht wie das beispielsweise im ÖPNV oder bei Informationsanzeigen häufig der Fall ist. Displays im runden oder quadratischen Format kommen u. a. in Wearables und Handheld-Geräten zum Einsatz. Darüber hinaus gibt es auch Freeshape-Displays, um den Bauraum von Applikationen maximal ausnutzen zu können, u. a. bei ESL (Electronic Shelf Labelling).

Welche Displaytrends und Technologien sind Ihrer Meinung nach momentan und in der Zukunft maßgeblich?

Claus Vogt: Aktuell geht der Trend bei TFTs in Richtung immer höherer Auflösungen und Helligkeitswerte. Mittelfristig gesehen werden MiniLEDs/FALD (Full Array Local Dimming) als Backlightlösungen für TFTs immer bedeutender, da sie in der Lage sind, eine Bildperformance auf OLED-Niveau zu erreichen. Die FALD-Technologie bietet dabei den Vorteil, dass sie stromsparender ist als ein Standard-TFT, da einzelne LEDs oder LED-Zonen gezielt angesteuert werden. Auf lange Sicht wird der Trend in Richtung MicroLEDs gehen.

Markus Hell: Auch das Thema Nachhaltigkeit und „Green“ im Allgemeinen rückt immer mehr in den Fokus. Komponenten und Produktgruppen so auszuwählen, dass sie auch für Neuanfragen wiederverwendet werden können, ist beispielsweise eine Entwicklung, die wir zunehmend beobachten. Durch die Bündelung von Stückzahlen lassen sich außerdem zusätzliche Entwicklungsleistungen, Lagerplätze und auch Werkzeuge einsparen. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang sind durchgängige Fertigungsabläufe und geschlossene Fertigungskreisläufe. Bei den Displaytechnologien beobachten wir eine gestiegene Nachfrage nach energiesparenden Varianten wie E-Paper-, MIP- oder Blanview-Displays. Auch ein modulares Produktkonzept bewährt sich aus unserer Sicht, da damit einzelne Komponenten im Servicefall leichter ausgetauscht werden können.

Welche aktuellen Innovationen gibt es von Data Modul?

Patrick von Unold: Als Display-Experten arbeiten wir kontinuierlich an neuen Produkten und Technologien. Zu unseren aktuellsten Innovationen im Display-Bereich gehören unter anderem NVIS (Night Vision) -Displays, OLED-Displays für den industriellen Einsatz und FALD-Displays sowie farbige E-Paper mit erweitertem Temperaturbereich. Auch in dem Bereich alternativer Bedienmethoden entwickeln wir uns ständig weiter und bieten neben der klassischen Eingabe per Finger verschiedene Gestensteuerungsoptionen, Haptic Feedback, Knob-on-Displays (KoD) und Sprachsteuerung an. Kürzlich haben wir auch unsere Optical Bonding-Kompetenzen für Displaygrößen bis maximal 7 Zoll erweitert und können damit auch Anforderungen im Bereich kleiner Diagonalen, wie beispielsweise für Wearables oder Handheld-Geräte, bedienen.

Wie beurteilen Sie den Display- und Elektronikmarkt ganz allgemein?

Markus Hell: Beide Märkte wachsen sehr schnell, was bedeutet, dass auch die Anforderungen an Komponenten und Gesamtsysteme immer komplexer werden. Der Transfer von Consumer-Displaytechnologie hin zu industrietauglichen Produkten erfolgt in immer kürzeren Abständen. Ein Beispiel dafür sind OLEDs, die es inzwischen auch als industrietaugliche Ausführungen gibt. Optimierte grafische Oberflächen (GUI) und Konnektivität gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ein umfangreicheres Leistungsspektrum und zusätzliche Features wie RFID-Reader oder Näherungssensoren sind gefragter denn je.

Ressourcenverknappung und -preiserhöhungen sowie massive Lieferengpässen: Inwiefern hat das Auswirkungen auf Data Modul?

Markus Hell: Für Data Modul war die Allokation von Halbleitern respektive Display-, Touch- und Embedded-Komponenten definitiv spürbar. Aber dank sehr guten und langjährigen Lieferantennetzwerken sowie großen marktspezifisches Wissen, insbesondere im Hinblick auf Lieferantenketten konnten wir Lieferengpässe auf Kundenseite größtenteils abfedern. Trotzdem bleibt es in einigen Produktbereichen weiterhin kritisch. Hier arbeiten wir mit unseren Entwicklern an passenden Alternativen, um fehlende Bauteile auf Komponentenebene zu ersetzen.

Kann ein deutscher Display-Hersteller gegenüber dem asiatischen Wettbewerb standhalten?

Markus Hell: Als international erfolgreich agierendes Unternehmen bietet Data Modul einen globalen Footprint an. Dank unseres weltweiten Vertriebs- und Produktmanagementnetzwerks haben wir unsere Expertenteams vor Ort und spielen dadurch unsere Stärken gegenüber dem asiatischen Wettbewerb aus.

Aus Komponentensicht bedienen wir uns aus einem breiten Technologieangebot aus Standardprodukten, Eigenentwicklungen sowie anwenderspezifischen Lösungen. Produktionsprozesse werden stetig optimiert, wie z. B. das Optical Bonding und dadurch bieten wir einen guten Mix aus High-End sowie kosteneffizienten Fertigungsmethoden. Dadurch ermöglichen wir unseren Kunden eine hohe Flexibilität in der Auswahl von Komponenten und Produkten. Gefertigt werden diese an verschiedenen Fertigungsstandorten in Deutschland, Polen, USA und China und somit haben wir die Möglichkeit local-für-local auf unterschiedliche Bedürfnisse individuell einzugehen.

Wie blicken Sie in die Zukunft bzw. wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Markus Hell: Als High-Tech-Unternehmen entwickelt sich die Firma ständig weiter. Studien zeigen, dass der industrielle Displaymarkt längst noch nicht erschöpft ist. Z. B. eröffnet die Elektromobilität neue Möglichkeiten unsere Produkte zu platzieren. Weiterhin planen wir neue Märkte zu erschließen und diese gezielt auszubauen. Dazu gehört beispielsweise die geplante Automotive-Zertifizierung IATF16949, die es uns ermöglicht, Kunden aus der Automobilbranche sowie Bau-und Landmaschinen-Hersteller in Zukunft direkt zu bedienen. Die oben aufgeführten Technologien aus Display-, Touch- und Embedded bilden die Basis für ein modernes Produktangebot.

Auch die neu erschlossene Digital Signage Business Unit hat die Weichen gestellt, um den Bereich großformatiger Anzeigesysteme kontinuierlich auszubauen. Verbunden mit neuen Produktionstechnologien und umfangreicheren Fertigungstiefen bauen wir unsere globale Präsenz an unseren Fertigungs- und Vertriebsstandorten weiter aus.

Mit unseren Serviceleistungen sowie 50 Jahren Erfahrung in der Elektronik-Branche sehen wir uns bestens gerüstet und blicken zuversichtlich in eine erfolgreiche Zukunft und die weiter positive Entwicklung.

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