Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen der Elektronikindustrie lag der Fokus des ZVEIs auf der Energiewende und einer Electrified Society.

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen der Elektronikindustrie lag der Fokus des ZVEIs auf der Energiewende und einer Electrified Society. (Bild: ZVEI)

Allen Widrigkeiten – Ukraine-Krieg, Lieferengpässe, Inflation, Energiekrise – zum Trotz ist die Produktion der Elektronik- und Digitalindustrie 2022 um 3,7 Prozent gestiegen und entspricht damit fast den prognostizierten 4 Prozent des ZVEI. Gerade das starke Wachstum in den verschiedenen Trendgebieten ist für diese Entwicklung verantwortlich. „Diese robuste Entwicklung unterstreicht die Stärke der Elektro- und Digitalindustrie“, erklärt Dr. Gunther Kegel, Präsident des ZVEI. „Unsere Branche profitiert erkennbar von den beiden großen Treibern Elektrifizierung und Digitalisierung, die aufs Engste mit uns verbunden sind.“ Ebenso sei aber ein überdurchschnittliches Wachstum bei den elektronischen Komponenten sowie im Bereich IKT zu verzeichnen.

ZVEI Umsatzenwicklung von 2017 bis 2022
Nach Corona-bedingten Einbrüchen 2020 erholte sich der Markt wieder und ist jetzt sogar über dem den Pre-Corona-Werten. (Bild: ZVEI)

Die nominalen Erlöse stiegen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf ein Rekordhoch von 224 Milliarden Euro. Kegel wies daraufhin, dass dieser Anstieg eine inflatorische Komponente hätte, aber der Anstieg nicht nur darauf, sondern auch auf gesteigerte Absatzmengen zurückzuführen sei. Die höchsten Zuwächse gab es bei elektronischen Bauelementen (+ 21 Prozent). Es folgen Informations- und Kommunikationstechnik, Batterien, Energietechnik (alle + 14 Prozent) und Automation (+ 12 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten lag zuletzt bei knapp 895.000 und damit 2,3 Prozent über dem Vorjahr. Kegel merkte hier aber an, dass die Zahl noch höher hätte ausfallen können. „Mehr als die Hälfte unserer Mitgliedsunternehmen gibt heute den Fachkräftemangel als eines der dringendsten Probleme und Produktionshemmnisse an,“ merkt ZVEI-Präsident Kegel an.

ZVEI Wachstumsenwicklung von 2017 bis 2022
Nach einem starken Rückgang 2020 stieg die Produktion in der Elektronik-Industrie wieder an und stieg 2022 um 3,7 Prozent (ZVEI-Prognose: 4 Prozent). (Bild: ZVEI)

Auch beim Export war 2022 abermals ein Rekordjahr. Die deutschen Elektroausfuhren erreichten hier einen Wert von 246 Milliarden Euro (inklusive Re-Exporte) – ein Plus von neun Prozent. Wichtigster Absatzmarkt war die Europäische Union mit Elektrolieferungen in Höhe von 126 Milliarden Euro. Größtes Exportland bleibt weiterhin China. Auch der Export in das zweitwichtigste Exportland, USA, stieg um 25 Prozent. „Der Binnenmarkt ist das größte Asset der EU. Wir müssen ihn weiterentwickeln – unternehmerisch und regulatorisch“, so Kegel. „Die Globalisierung scheint an einem Scheitelpunkt zu stehen. Die protektionistische Wirtschaftspolitik Chinas, aber auch der USA sind für uns ein hohes Risiko. Die EU muss entschlossen gegensteuern und mehr bilaterale Handels- und Rohstoffabkommen abschließen.“ Weiterhin weist Kegel auf das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz hin und befürchtet ein bürokratisches Ungetüm. Für das laufende Jahr zeigt sich der Verband zuversichtlich: „Stand heute gehen wir bei der realen Produktion von einer schwarzen Null aus, was einer Konsolidierung auf sehr hohem Niveau entspricht“, sagt der ZVEI-Präsident.

ZVEI Wachstumsprognose 2023
Für 2023 prognostiziert der ZVEI ein reales Produktionswachstum von 0 Prozent. In der Grafik lässt sich auch erkennen, dass sich die Elektronikindustrie (obere, gefettete Linie) sich zunehmend unabhängig vom verarbeitenden Gewerbe (untere, dünne Linie). (Bild: ZVEI)

Singularitäten mit Subventionen aufbrechen

Im Rahmen der ZVEI-Jahrespressekonferenz erklärte Dr. Kegel, dass mehrere singuläre Abhängigkeiten gäbe, an denen Deutschland und die EU arbeiten müssten und verwies sowohl auf seltene Erden und die Halbleiterindustrie. Seltene Erden werden von verschiedenen Industriezweigen gebraucht, sind momentan aber besonders in der Elektromobilität und in der Halbleiterei gefragt. In E-Autos werden sie vor allem für starke Dauermagnete im E-Motor sowie in großen Mengen für Batterien gebraucht. Allerdings ist der Name trügerisch. „Man muss zwei Sachen zu seltenen Erden wissen: 1. Sie sind nicht selten. 2. Es sind keine Erden“, kommentierte ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel auf der ZVEI-Jahresauftakt-Pressekonferenz das Thema. Er wies dabei auch auf die europäische Abhängigkeit von China bezüglich seltener Erden hin. Weltweit haben Länder sich aus dem Abbau seltener Erden zurückgezogen und diesen Bereich weitgehend China überlassen hat. Um die Produktion wieder zu starten, sind jetzt einerseits hohe Investitionen nötig, andererseits braucht es auch die richtigen Regulierungen. Ganz ähnlich verhält es sich im Bereich der Halbleiterfertgung. Hier wies Kegel auf die deutlich höheren Fördermengen anderer Länder wie den USA oder Südkorea hin. „Hier kämpfen wir in einer Liga, in der uns noch nicht klar ist, ob die Maßnahmen ausreichen, unser Ziel von 20 Prozent der Chipkapazitäten zu erreichen“, warnt Kegel.

Stromnetz zurzeit nicht energiewendefähig

„Nachdem sich die Politik im zurückliegenden Jahr vor allem den Herausforderungen Energiesicherheit und Bezahlbarkeit zuwenden musste, muss in diesem Jahr die Gestaltung der Energiewende wieder mehr in den Fokus rücken“, erklärt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Aus Sicht des ZVEI sind im Wesentlichen zwei Aufgaben anzugehen: Erstens, der zügige Ausbau der Netzinfrastruktur und zugleich ihre Digitalisierung sowie zweitens die Weiterentwicklung des Strommarktdesigns.

Smart Grid – Alles Wichtige zum Stromnetz der Zukunft

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(Bild: petovarga @ AdobeStock)

Unsere Energieversorgung ist gerade noch stark geprägt von fossilen Brennstoffen. Gerade Deutschland ist dabei auf Drittländer angewiesen und je nach politischer Lage kann es dann auch zu negativen Konsequenzen und damit zu einer kritischen Energieversorgung führen. Allerdings steigt Deutschland nach und nach auf erneuerbare Energien um, doch diese sind von Wetter und Tageszeit abhängig, weshalb sie größtenteils unregelmäßig Energie produzieren. Unser aktuelles Stromnetz hat damit allerdings Probleme. Warum das so ist und alles Wichtige zum Thema Smart Grid haben wir hier zusammengefasst.

Strom ist der Rohstoff der Energiewende, der über 90 Prozent des Energiebedarfs im Jahr 2045 decken soll. Aktuell liegt der Strombedarf bei 550 TWh/a. Durch die Elektrifizierung – unter anderem durch ca. 15 Millionen Ladepunkte und sechs Millionen Wärmepumpen – steigert sich der Strombedarf bis 2030 auf über 700 TWh/a. Bis zum Jahr 2045 liegt der Strombedarf bei 1.000 bis 1.200 TWh/a. Um diesen Bedarf zu decken, werden sich die Erzeugungskapazitäten bei den erneuerbaren Energien mindestens um das 4,5-Fache steigern müssen – und damit steigen die Anforderungen an das Stromnetz immens. „Um es klar zu sagen: Darauf ist unser Stromnetz derzeit nicht ausgelegt. Es ist nicht energiewendefähig“, so Weber. So fordert der ZVEI, dass neben dem physischen Ausbau Intelligenz ins System kommt. Unter anderem müsse mehr Tempo in den flächendeckenden Rollout intelligenter Messsysteme kommen, wie im GNDEW (Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende) vorgesehen.

Schwerpunktthema: E-Mobility

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(Bild: Adobe Stock, Hüthig)

In diesem Themenschwerpunkt „E-Mobility“ dreht sich alles um die Technologien in Elektrofahrzeugen, Hybriden und Ladesäulen: Von Halbleitern über Leistungselektronik bis E-Achse, von Batterie über Sicherheit bis Materialien und Leichtbau sowie Test und Infrastruktur. Hier erfahren Sie mehr.

Denn durch konsequente Elektrifizierung und Digitalisierung ließe sich der Primärenergieverbrauch um bis zu 65 Prozent reduzieren. Durch eine dezentrale Energieerzeugung mit Speicherung, Verteilung im Quartier mit digitalen Netzanschlüssen, Sektorenkopplung mit Photovoltaik, Wärmepumpe und E-Mobilität und nicht zuletzt durch die immensen Effizienzgewinne der direkten Stromnutzung sind die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Um diesen näherzukommen, ist jedoch ein grundsätzlich anderes Strommarktdesign nötig. „Der Strompreis muss weiter von Steuern, Umlagen und Abgaben entlastet werden“, erklärt Weber. Darüber hinaus seien dynamische Stromtarife wichtig.

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