Interview mit Melanie Sohnemann, Volkswagen

„Der wichtigste Hebel ist markenübergreifende Governance.“

Mit wachsender SDV-Komplexität wird Modularisierung zu einem starken Hebel für Kosten und Skalierbarkeit. Melanie Sohnemann von Volkswagen erklärt, wie standardisierte Steckverbindersysteme Wiederverwendung erleichtern und den Rollout beschleunigen.

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Lächelnde Frau mit Brille in heller Bluse vor weißem Hintergrund
Studierte Materialwissenschaftlerin und Werkstoffprüferin Metalltechnik: Melanie Sohnemann.

Als Leiterin der Unterabteilung für Bordnetzkomponenten und Energieverteilung bei Volkswagen verantwortet Melanie Sohnemann die Entwicklung und Integration von Steckverbindersystemen und Lösungen für die Energieverteilung. Die studierte Materialwissenschaftlerin und Werkstoffprüferin Metalltechnik hat sich umfassende Erfahrung in Qualitätssicherung und technischer Entwicklung im Bordnetzbereich erarbeitet.

Zu Volkswagen kam sie im Jahr 2013, seit 2021 bekleidet sie in Führungsrollen in der technischen Entwicklung bei dem niedersächsischen OEM. Auf dem Bordnetzkongress 2026 in Ludwigsburg wird sie zum Thema „Modulare Verbindungssysteme aus OEM-Sicht“ sprechen, im Vorfeld der Konferenz hatten wir Gelegenheit, uns mit ihr – unter anderem dazu – auszutauschen.

Frau Sohnemann, was wird in den kommenden fünf Jahren die größte Herausforderung für die Bordnetz- und EDS-Industrie sein – und warum?

Die größte Herausforderung für die Bordnetz- und EDS-Industrie wird darin bestehen, die durch SDVs getriebene Komplexität zu beherrschen und gleichzeitig Kosten, Gewicht und Entwicklungszeit zu reduzieren. Zonale Architekturen und eine höhere Funktionsdichte werden die Grenzen heutiger Leitungs- und Steckverbinderkonzepte ausreizen.

Alle Infos zum Bordnetze im Automobil Kongress

Der Bordnetzkongress gilt als zentrale Branchenplattform für Entwickler, Zulieferer und OEMs, die sich mit der elektrischen und elektronischen Architektur heutiger Fahrzeuge befassen. Im Fokus stehen Trends wie zonale Architekturen, steigende Bordnetzspannungen, neue E/E-Konzepte sowie deren Auswirkungen auf Kosten, Gewicht und Komplexität. 

Der 14. Kongress "Bordnetze im Automobil" wird am 5. und 6. Mai 2026 in Ludwigsburg stattfinden. Sind Sie gespannt? Registrieren Sie sich jetzt und sichern Sie sich Ihr Ticket.

Weitere Informationen zum Bordnetze im Automobil Kongress finden Sie hier.

Welche architektonische Entscheidung, die heute getroffen wird, wird Kosten, Komplexität und Flexibilität im nächsten Jahrzehnt am stärksten bestimmen?

Die entscheidende Entscheidung ist der Grad der Standardisierung von Steckverbindern und Schnittstellen. Ein modularer Baukasten mit standardisierten Designs – diese Wahl wird die künftigen Kosten, die Flexibilität und die Time-to-Market bestimmen.

Wie Volkswagen Standardisierung und Flexibilität ausbalanciert

Was bedeutet ein modulares Verbindungssystem für Volkswagen in der Praxis – etwa in puncto Schnittstellen, Teilefamilien, Montageprozessen oder Diagnostik?

Standardisierte Steckverbinder-Schnittstellen für sehr unterschiedliche Anforderungen ermöglichen eine markenübergreifende Wiederverwendung und eine schnellere ECU-Integration. In der Praxis wird Modularität zu einem konzernweiten Enabler für den SDV-Rollout.

Wo liegt der Sweet Spot zwischen Modularität und Packaging-Zwängen – und ab wann kostet Modularität mehr, als sie einspart?

Modularität zahlt sich aus, wenn die Stückzahlen hoch sind. Kostspielig wird sie dann, wenn Module in sehr engen Bauräumen zu überdimensionierten Gehäusen oder ungenutzten Hohlräumen zwingen.

Welche Elemente sollten plattformübergreifend standardisiert werden – und welche müssen fahrzeugspezifisch bleiben?

Zu den standardisierten Elementen gehören Standardmodule für unterschiedliche Pin-Größen und Schnittstellen-Designs. Fahrzeugspezifische Elemente sind die Anzahl der Module pro ECU sowie die Anordnung der Module.

Warum Governance und Anforderungsdisziplin Modularität erst möglich machen

Was ist der größte organisatorische Hebel für Modularität – etwa Governance, Anforderungsdisziplin oder die Zusammenarbeit mit Lieferanten?

Der wichtigste Hebel ist markenübergreifende Governance in Kombination mit strikter Anforderungsdisziplin. Governance stellt sicher, dass Module über alle Marken hinweg konsequent wiederverwendet werden und dass das Volumen wächst, um wirtschaftliche Skalierung zu ermöglichen. Anforderungsdisziplin stellt sicher, dass Entwicklungsteams Steckverbinder nicht jedes Mal neu auslegen, wenn neue ECUs eingeführt werden. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten ist essenziell, aber nur dann wirksam, wenn interne Governance und klare Standards bereits vorhanden sind. Kurz gesagt: Governance definiert die Regeln, und Disziplin stellt sicher, dass sie eingehalten werden.

Nun die Abschlussfrage: Was erhoffen Sie sich persönlich vom Bordnetzkongress 2026 in Ludwigsburg?

Ich hoffe, den Bordnetzkongress mit frischen Ideen und praktischen Impulsen zu verlassen, die uns dabei helfen, die Entwicklung unserer Bordnetzkomponenten zu beschleunigen und die Zusammenarbeit in der Branche zu stärken.