Mit Power-Modulen die Komplexität in der Elektromobilität meistern
Power-Module im Traktionsinverter beeinflussen Effizienz, Bauraum, Skalierbarkeit und Lieferkettenstabilität elektrischer Antriebe maßgeblich. Der Beitrag zeigt, wie Markt- und Plattformanforderungen die Modulwahl prägen und welche Topologien sowie Designansätze dafür entscheidend sind.
Sebastian StracheSebastianStrache
Christina KokkinosChristinaKokkinos
5 min
Warum entscheiden Power-Module im Traktionsinverter über Skalierung, Kosten, Effizienz und resiliente Lieferketten?
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Schnelle Innovationszyklen, industrielle Skalierbarkeit und resiliente
Lieferketten sind zentrale Erfolgsfaktoren der Elektromobilität. Wie sich das auf die Technologie auswirkt, zeigt sich
bei kaum einer Komponente so deutlich wie beim Power-Modul im Traktionsinverter
– dem Herz des elektrischen Antriebsstrangs. Seine technischen Eigenschaften
entscheiden darüber, ob sich eine Antriebsplattform wirtschaftlich vom
Kleinwagen bis zur Oberklasse skalieren lässt, wie resilient die Lieferkette
aufgestellt werden kann und wie schnell neue Modelle auf den Markt kommen. Die
Wahl des passenden Power-Moduls ist daher keine reine Beschaffungsentscheidung
mehr, sondern eine strategische Weichenstellung.
Strategische Herausforderungen der Skalierungsphase
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Die Automobilindustrie befindet sich in einer tiefgreifenden
strukturellen Transformation. Längst ist bekannt: Der Übergang zur
Elektromobilität geht weit über die Substitution des Verbrennungsmotors durch
einen elektrischen Antrieb hinaus. Er führt vielmehr zu grundlegend neuen
Wertschöpfungsstrukturen, technologischen Entwicklungszyklen und globalen
Wettbewerbsdynamiken. Nachdem die technologische Grundlage geschaffen ist und
die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt, rückt nun die industrielle
Skalierung in den Mittelpunkt. Hersteller und Zulieferer stehen unter enormem Kostendruck,
müssen verkürzte Innovationszyklen bewältigen und gleichzeitig steigende
Anforderungen an die Stabilität und Resilienz ihrer Lieferketten erfüllen.
Parallel verschärft sich der internationale Wettbewerb durch neue
Marktteilnehmer sowie eine zunehmende vertikale Integration zentraler
Schlüsseltechnologien. Diese Entwicklungen sind dabei nicht isoliert zu
betrachten, denn technologische, wirtschaftliche und geopolitische Einflussfaktoren
verstärken sich gegenseitig (Bild 1).
Bild 1: Die Automobilindustrie muss sich zahlreichen technologischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen stellen.Bosch
Für strategische Entscheider, Entwicklungsverantwortliche und
Supply-Chain-Manager ergibt sich daraus ein hochkomplexes Anforderungsprofil:
Technologische Leistungsfähigkeit, industrielle Skalierbarkeit und stabile
Lieferketten müssen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg sichergestellt
werden. Die Fähigkeit, hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und Flexibilität mit
einer robusten, zukunftsfähigen Produktarchitektur zu verbinden, wird in der
nächsten Phase der Elektromobilität zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Marktentwicklung
bestimmt Komponenten: neue Anforderungen an Power-Module
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Die
beschriebenen Marktherausforderungen bleiben nicht auf einer abstrakten Ebene.
Sie schlagen sich unmittelbar in technischen Entscheidungen nieder – vor allem im
elektrischen Antriebsstrang. Hier treffen Anforderungen an Effizienz,
Skalierbarkeit, Kosten und Resilienz direkt aufeinander. Insbesondere der Traktionsinverter
spielt hierbei eine zentrale Rolle. Welche Spielräume dabei tatsächlich zur
Verfügung stehen, entscheidet sich letztlich mit dem Power-Modul als zentrale
Kernkomponente. Somit sind die Anforderungen an moderne Power-Module ein
direktes Spiegelbild der Marktdynamik:
Skalierbarkeit über Leistung und Spannung: Module müssen das gesamte Fahrzeugspektrum von 50 kW
(Kleinwagen) bis über 400 kW (Oberklasse) und vom Pkw-Segment bis zu
Nutzfahrzeugen abdecken – und dabei gleichzeitig für 400 V, 800 V und
perspektivisch 1200 V ausgelegt sein. Nur so lassen sich unterschiedliche
Fahrzeugklassen mit einer Plattform bedienen.
Maximale Leistungsdichte: Bauraum ist in Fahrzeugen knapp und teuer. Eine hohe
Leistungsdichte (kW/l) ist die Grundvoraussetzung, um leistungsstarke Wechselrichter
in die unterschiedlichen Bauräume verschiedener Fahrzeugmodelle zu integrieren,
vom Kompaktwagen bis zum SUV und ggf. auch darüber hinaus.
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Flexibilität in der Schaltungstopologie: Die größte Herausforderung liegt in der topologischen Vielfalt:
OEMs verfolgen unterschiedliche technische Philosophien beim Wechselrichter-Design:
von klassischen Architekturen bis zu hocheffizienten Multilevel-Lösungen. Ob
ein Power-Modul sich als skalierbare Plattform eignet oder lediglich punktuelle
Anforderungen erfüllt, zeigt sich an den unterstützten Schaltungstopologien.
Ein Blick auf die drei zentralen Anwendungsfälle macht deutlich, wo die
technischen Unterschiede liegen.
Anwendungen
von Power-Modulen im elektrischen Antriebsstrang
Bei der Elektrifizierung des Antriebsstrangs existieren
unterschiedliche Anwendungen für Power-Module. Drei beispielhafte Einsatzfälle
(Schaltungstopologien) sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Im Umfeld von Hybridantrieben kommen teilweise
Spannungshochsetzsteller-Schaltungen zum Einsatz. Abhängig vom Ladezustand
schwankt die Batteriespannung, die dem Wechselrichter zum Antrieb der
elektrischen Maschine zur Verfügung steht. Der Spannungshochsetzsteller hilft, die
E-Maschine unter diesen Bedingungen besser auszulegen und zu betreiben, indem
er die Eingangsspannung des Wechselrichters über alle Ladezustände hinweg
möglichst konstant hält. Typische Leistungen dieser Schaltungen liegen zwischen
25 kW und ca. 125 kW. Am weitesten verbreitet sind sie bei
Batteriespannungslagen von 400 V.
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Die bekannteste und gängigste Schaltung im elektrischen
Antriebsstrang ist die sogenannte B6-Brücke. Sie besteht aus drei Halbbrücken –
jeweils eine pro Motorphase – und kann die Ausgänge des Wechselrichters (U, V,
W) entweder mit dem positiven oder dem negativen Potential der Batterie
verbinden. Es stehen somit zwei Potentiale oder Level für die Modulation zur
Verfügung (2-Level). Mithilfe einer Pulsweitenmodulation wird der erforderliche
sinusförmige Strom in der Maschine erzeugt und damit das gewünschte Drehmoment
eingestellt.
Aufgrund des breiten Einsatzspektrums der B6-Brücke variiert
die erforderliche elektrische Leistung zwischen etwa 50 kW und über 400 kW (im
Bereich Passenger Cars). Um Wechselrichter und damit die kompletten elektrischen
Antriebsstränge möglichst kompakt zu gestalten, haben sich entsprechende Bauraumanforderungen
etabliert (siehe Werte in Tabelle 1). Um die Effizienz des Antriebsstrangs zu
steigern und damit die Fahrzeugreichweite zu erhöhen, werden zunehmend
SiC-MOSFETs in Wechselrichtern und Leistungsmodulen für elektrische Antriebe
eingesetzt.
Tabelle 1: Um Wechselrichter und damit die kompletten elektrischen Antriebsstränge möglichst kompakt zu gestalten, haben sich entsprechende Bauraumanforderungen etabliert.Bosch
Eine weitere Möglichkeit zur Reichweitensteigerung bietet der
Einsatz sogenannter 3-Level-Schaltungen. Im Gegensatz zur klassischen
B6-Brücke, die nur zwei Spannungspotentiale nutzt (Batterie Plus und Batterie
Minus), wird hier eine zusätzliche Spannungslage verwendet, die ungefähr der
halben Batteriespannung entspricht. Hierfür sind zwei weitere Leistungsschalter
nötig, die den Ausgang (U) mit dieser mittleren Spannungslage verbinden. Dabei
werden drei dieser 3-Level Halbbrücken (B2) wieder zu einer dreiphasigen B6
Brücke zusammengeschaltet.
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Durch die zusätzliche Spannungsebene kann der sinusförmige
Ausgangsstrom mit geringeren Verlusten erzeugt werden, insbesondere in der
elektrischen Maschine. Dadurch lässt sich die Reichweite im Vergleich zur
klassischen B6-Brücke etwa um weitere 5 Prozent steigern.
Die Vielfalt der Applikationen zeigt: Es gibt keine
universelle Lösung für den elektrischen Antriebsstrang. Entscheidend ist
vielmehr ein modular aufgebautes Portfolio, das unterschiedliche
Schaltungstopologien, Leistungsbereiche und Spannungsebenen konsistent
unterstützt. Wie sich diese Anforderungen in konkreten Produktlösungen umsetzen
lassen, zeigen die folgenden Beispiele.
Power-Module für unterschiedliche Topologien: Beispiele von
Bosch
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Auf dem Markt existiert ein diverses Angebot an Power-Modulen
von unterschiedlichen Herstellern. Exemplarisch werden zwei Ansätze vorgestellt,
die unterschiedliche Strategien abbilden: das hochflexible DSL-Modul, sowie die
Topologie-optimierte Generation PM6.
Bild 2: Das DSL von Bosch kann für alle drei Schaltungstopologien verwendet werden.Bosch
Das DSL (siehe Bild 2) ist ein sehr flexibles, kompaktes
Paket, das zwei parallel geschaltete SiC-MOSFETs enthält. Dadurch kann es in
allen drei Schaltungstopologien eingesetzt werden. Neben dieser Flexibilität
lässt sich die Ausgangsleistung dieses Power-Moduls aufgrund seiner kompakten
Bauweise besonders einfach durch Parallelschaltung skalieren. Die benötigte
Modulanzahl wächst dabei proportional zur gewünschten Leistung; etwa ein
einzelnes DSL für kleinere Leistungen oder sechs DSL-Module für eine
B6-Schaltung. Für höhere Leistungen können jeweils zwei DSL-Module parallel
betrieben werden, was bei einer B6-Brücke insgesamt zwölf DSL-Modulen
entspricht (6 × 2). Für nochmals höhere Leistungsanforderungen ist auch die
Parallelschaltung von drei oder vier DSL-Modulen möglich, sofern entsprechend
mehr Bauraum zur Verfügung steht.
Das PM6 (Bild 3) beinhaltet zwei topologische Schalter
und bildet damit eine Halbbrücke. Aus drei PM6-Modulen lässt sich eine sehr
kompakte B6-Brücke (Bild 4) aufbauen, mit der Leistungen im Bereich von
etwa 50 bis 400 kW realisiert werden können. Andere Schaltungen wie der
Hochsetzsteller oder 3L-Schaltungen lassen sich aufgrund ihrer stark
abweichenden Anforderungen nicht effizient im Rahmen dieser Plattform umsetzen.
Bild 3: Das Topologie-optimierte Power-Modul PM6 ist besonders kompakt.Bosch
Durch die Optimierung der Topologie zeichnet sich das PM6
durch besonders kompakte Abmessungen aus. Die Leistungsanpassung erfolgt nicht
über die Parallelschaltung mehrerer Module, sondern über eine Skalierung
innerhalb des Leistungsmoduls selbst. Hierzu können beispielsweise 4, 8 oder 12
SiC-MOSFETs mit Chipflächen zwischen 20 und 40 mm² im PM6 integriert werden. Dieser
Ansatz ermöglicht es, eine einheitliche Wechselrichterplattform über mehrere
Fahrzeugklassen hinweg zu nutzen, was Entwicklungsaufwand, Variantenvielfalt
und Fertigungskomplexität deutlich reduziert.
Das PM6 erreicht seine hohe Leistungsdichte durch sein
thermisches und elektrisches Design. Es nutzt spezielle
Siliziumnitrid-Substrate und angepasste Materialen für effektive Wärmeableitung
und hohe Temperaturwechselbeständigkeit. Ein symmetrisches Layout reduziert
zudem Schaltverluste und Spannungsspitzen, was höhere Schaltfrequenzen, eine bessere
Effizienz und eine längere Lebensdauer ermöglicht. Für Wechselrichteranwendungen,
bei denen Effizienz, Leistungsdichte und Robustheit entscheidend sind, sind
Module mit fortschrittlichen Designs gefordert.
Bild 4: Das PM6 in seiner Bauraum-optimierten B6 Konfiguration.Bosch
Zukunftsfähig dank Plattformtechnologien
Die angeführten Beispiele zeigen, dass Power-Module im
elektrischen Antriebsstrang weit über einzelne Komponenten hinausgehen.
Entscheidend ist ihre Rolle als skalierbare Plattform, die unterschiedliche
Leistungsbereiche, Spannungslagen und Schaltungstopologien konsistent abdeckt.
Eine strategisch aufgebaute Vielfalt bei Power-Modulen schafft damit die
Grundlage, technische Anforderungen, Marktgeschehen und industrielle Skalierung
in Einklang zu bringen. Die Wahl des richtigen Technologiepartners, der die
gesamte Bandbreite abdeckt, wird so zu einem zentralen Hebel für
Wettbewerbsfähigkeit in der Elektromobilität. (na)