LEiterplatte in Form eines Gehirns

EMS-Betriebe leisten eine ganze Menge: Von der Entwicklung über die SMD Bestückung bis hin zum Box Building. (Bild: Pixabay)

EMS als Electronic Manufacturing Service (deutsch: Fertigungsdienstleistung für elektronische Komponenten) erfreut sich mit zunehmender Beliebtheit bei produzierenden Unternehmen, die elektronische Bauteile in ihren Produkten haben. 2021 werden in Europa noch ca. 62% aller elektronischen Baugruppen von den OEMs selbst produziert. Allerdings setzt ein Wandel ein, denn die EMS Dienstleister produzieren die Produkte in den meisten Fällen günstiger und verbessern damit das Ergebnis, reduzieren den erforderlichen Kapitalbedarf für Maschinen und Anlagen, und erlauben es den Firmen, sich auf die Bereiche Produktentwicklung und Produktvermarktung zu konzentrieren. Zudem sind die EMS-Dienstleister nicht nur Produktionsdienstleister, sondern haben vielfach Engineering-Abteilungen mit vielen Elektronikspezialisten (E²MS), die es ermöglichen Produkte zu verbessern, zu redesignen und weiter zu entwickeln. Nicht umsonst lassen multinationale Unternehmen wie Apple oder Hewlett-Packard schon lange ihre Produkte von EMS-Dienstleistern produzieren, konzentrieren sich auf die Produktvermarktung und fahren glänzende Gewinne ein.

Wenn ein Unternehmen seine Produkte in Europa produzieren lassen will, sollte es den Markt kennen. Viele Unternehmen kennen laut ems-scout.de teilweise nicht einmal die großen EMS-Unternehmen in Europa. Ob das fehlendes Interesse in der Vergangenheit oder unzureichendes Marketing der EMS war, sei dahingestellt. Bevor wir zu den Top 20 der EMS-Unternehmen in Deutschland kommen, noch ein paar Zahlen und Fakten zum deutschen EMS-Markt:

  • Die gesamte EMS Produktion in Deutschland lag 2020 bei 6,93 Mrd. Euro. Das sind 8,7 % weniger als noch 2019
  • Die Top 10 EMS haben einen Marktanteil von 39.3% des Umsatzes in Deutschland (2,72 Mrd. Euro)
  • Die Top 20 EMS haben einen Marktanteil von 50.0% des Umsatzes in Deutschland (3,47 Mrd. Euro)
  • Die Top 100 EMS haben einen Marktanteil von 78.0% des Umsatzes in Deutschland (5,4 Mrd. Euro)
  • Die restlichen 465 EMS-Firmen erwirtschaften damit in Summe 22 % bzw. 1,53 Mrd. Euro

Hier die Plätze von 11-20 der deutschen EMS-Dienstleister

11. Turck duotec

12. ml&s

13. Asteelflash

14. Heitec

15. Sero

16. Pantel elektronik

17. Elektronikgruppe München

18. Müller Elektronik

19. Deltec Automotive

20. Micro Systems Engineering

Manche Firmen in der Top 20 Liste mögen überraschen, z.B. Mektec, der Hersteller flexibler Leiterplatten. Dazu muss man wissen, dass heute 95% aller Leiterplatten von Mektec direkt bestückt werden, also PCBA produziert werden. Auch Heitec, der komplette kundenspezifische Lösungen anbietet, mag einige überraschen. Die Elektronikgruppe München ist die Dachgesellschaft der Firmen Eker Systemtechnik,Elprog, ePS electronic Products & Systems, Frank Elektronik und Pressfinish. Die Müller Elektronik in Salzkotten hat 2020 die WTK Elektronik übernommen und beide Firmen verschmolzen.

Wie sieht das Ranking der EMS 2021 aus?

Interessant wird das Ranking für 2021. Immerhin hat Katek Anfang des Jahres Leesys übernommen und Turck Duotec die ml&s. Damit rücken alle hinter Platz 8 einen Rang und hinter Platz 12 zwei Ränge vor. Allerdings hat die Rawe Electronic GmbH dieses Jahr die Mair Elektronik rückwirkend zum 1.1.2021 gekauft und könnte damit auf Platz 13 springen. Neu hinzu käme dann auf Platz 20 die Tectron Worbis GmbH.

Auf den Rängen 21 bis 30 tut sich aber auch einiges und so wird es endgültige Klarheit frühestens Mitte 2022 geben.

Woher kommen die Daten der EMS?

Die Rangliste beruht auf Daten von in4ma, einer Datenquelle für die Europäische EMS Industrie. Seit vielen Jahren analysiert in4ma den Europäischen EMS Markt und hat eine Datenbank von ca. 2200 rechtlich selbstständigen Unternehmen, die zu 1865 Firmen gehören. Zu jedem Unternehmen findet man in dieser Datenbank die Umsätze und die Anzahl der Mitarbeiter, rückwirkend bis 2013. Kein anderer Marktforscher hat so detaillierte Daten. Aber wo kommen diese Daten her?

Die großen Kapitalgesellschaften sind in Europa verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse im Firmenregister des jeweiligen Landes zu veröffentlichen. Ausnahme bilden lediglich Unternehmen, die Ihre Ergebnisse in der Muttergesellschaft konsolidieren (was aber eher selten ist). Teilweise ist die gebührenpflichtig. 75,5% der Europäischen EMS Umsätze werden so jedes Jahr erfasst, leider teilweise erst bis zu 12 Monate nach Ende des Geschäftsjahres.

Die mittelgroßen Kapitalgesellschaften berichten eine verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung, setzen also beim Rohertrag auf. Die Umsätze dieser Firmen lassen sich berechnen, wenn man einen mittleren Materialanteil der EMS Branche annimmt. Natürlich gibt es dabei Ausnahmen, wo dieser Ansatz nicht zieht, aber das sind eben Ausnahmen, die für die Berechnung einer Marktgröße irrelevant sind. Die mittelgroßen Unternehmen liefern einen gerechneten Anteil am Markt von ca. 13,5%.

Die kleinen Kapitalgesellschaften berichten lediglich die Bilanz. Hier wird es schon schwieriger. In manchen Ländern werden die Forderungen auf der Aktivseite im Bericht jedoch noch unterteilt in Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, und sonstige Forderungen. Nimmt man nun ein mittleres Zahlungsziel für das jeweilige Land (und da muss man Deutschland deutlich von Frankreich und Italien unterscheiden!), kann man so den Umsatz berechnen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, einen mittleren Pro-Kopf Umsatz mit der Anzahl der Mitarbeiter (und die müssen nach EU-Recht mittlerweile auch gemeldet werden) zu multiplizieren. 8,5% des Umsatzes kommen so noch einmal hinzu.

Es fehlen also noch ca. 2%. Wo kommen die her? Man sollte es nicht glauben, aber diese 2,5% entsprechen 780 Firmen. Es sind einerseits Personengesellschaften, dabei einige wenige auch etwas größer, aber primär Kleinst-Kapitalgesellschaften, die Ihre Bilanz im Firmenregister hinterlegen, aber nicht veröffentlichen müssen. Hier greift einerseits wieder die Berechnung über den Pro-Kopf-Umsatz, andererseits gibt es noch andere Datenbanken (z.B. Firmenwissen) wo teilweise die Umsätze gebührenpflichtig zu erhalten sind.

Jedes Jahr führt in4ma zudem eine Jahresstatistik durch, an der in Europa ca. 200 EMS Unternehmen aller Größenordnungen teilnehmen. Dies erhöht die Genauigkeit der Aussagen noch einmal. Es gibt auch Unwägbarkeiten, die in4ma versucht zu berücksichtigen. So werden nur Firmen registriert, die auch PCBA für Dritte produzieren. Reine Engineering Firmen oder andere Dienstleistungsunternehmen (z.B. reine Kabelbaumhersteller) werden nicht berücksichtigt. Firmen, die mehrheitlich eigene Produkte produzieren und bei denen der EMS Anteil <30% vom Umsatz ist werden nur mit dem EMS Anteil berücksichtigt. Beim Ranking wird zudem versucht, den OEM Anteil komplett unberücksichtigt zu lassen.

Eine Besonderheit gibt es zudem bei manchen Unternehmen, die mit verlängerten Werkbänken im Ausland arbeiten. Bei solchen EMS kann ein Teil der Produktion im Ausland erfolgen die Fakturierung an den Kunden erfolgt z.B. in Deutschland und zwangsläufig finden sich diese Umsätze dann in den deutschen Umsätzen. Dies nur zur Erklärung, wie Daten und Rankings zustande kommen.

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