Was macht eigentlich eine Line Control Technikerin bei Globalfoundries?

(Bild: Globalfoundries)

Die Karriere-Leiter von Djamila Steinich ist alles andere als linear: 1994 beendete sie ihre Ausbildung aus Fachverkäuferin für Back- und Konditoreiwaren. Doch schon schnell wurde ihr klar, dass ihr Leben nicht darin bestehen wird, Essen über den Tresen zu verkaufen. Angetrieben durch ihre Leidenschaft für Chemie entschied sie sich für eine Ausbildung zu Pharmakantin, womit ihre Laufbahn in der Halbleiterei ihren Anfang nahm. Im Interview erzählt sie, wie sie zu Globalfoundries gekommen ist, welche Herausforderungen der Job mitbringt und wie sie als Frau auf ihre Karriere und Weiterbildungen blickt.

Kannst du uns zu Beginn etwas über deinen Werdegang erzählen und wie du zu Globalfoundries gekommen bist?

Djamila Steinich: Ich begann meine Karriere ganz fernab der Halbleiterindustrie. In jungen Jahren habe ich 1994 Verkäuferin für Bäckerei und Konditorei Erzeugnisse gelernt. Da war ich 19 und dann sollte ich dort im Laden stehen und Brot und Brötchen verkaufen. Da habe ich gesagt, um Gottes Willen, du bist jetzt 19, das kann ja nicht alles gewesen sein. 1995 begann ich nach einem Jahr Fachoberschule meine 3-jährige Ausbildung zur Pharmakantin. Da mein Ausbildungsbetrieb AWD.pharma 1999 im Umschwung war und keine Leute neu eingestellt hat, hab ich schon kurze Zeit später meinen Weg zu Globalfoundries gefunden, damals noch AMD. Diesen Wechsel vor fast einem Vierteljahrhundert habe ich nie bereut.

Ich hatte zunächst keine Ahnung von Halbleitern, zum Beispiel konnte ich mit dem Wort Transistor nichts anfangen. Das hielt mich aber nicht ab. Meine Reise begann im Test-Bereich, wo ich als Wafer Fab Technician kurz WFT für die Überprüfung elektrischer Daten von Wafern zuständig war. Über die Jahre hinweg bot mir Globalfoundries zahlreiche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, sodass ich mich nach einer Familienpause inklusive anschließender Dreizehn Jahre Teilzeit-Arbeit zur Prozesstechnikerin, weiterentwickeln konnte.

Was macht eigentlich ein...? – Jobs in der Elektronik

Elektronik Entwickler Karriere
(Bild: golubovy @ AdobeStock)

Kaum ein Industriezweig bietet so viele verschiedene Karrieremöglichkeiten wie die Elektronikbranche. Ob Programmierer in der Automatisierung, Entwickler für Elektronik-Systeme, Chip-Designer oder vielleicht doch lieber technischer Redakteur in Marketing und PR – die Auswahl an Jobs in der Elektronik ist riesig. Wir haben mit ein paar Entwicklern und Elektrotechnikern gesprochen:

 

Der Arbeitsplatz von Djamila Steinich Das Halbleiterwerk von GlobalFoundries in Dresden
Der Arbeitsplatz von Djamila Steinich: das Halbleiterwerk von GlobalFoundries in Dresden (Bild: GlobalFoundries)

Was beinhaltet deine jetzige Rolle genau und welche Herausforderungen bringt sie mit sich?

Als Line-Control-Technikerin bin ich hauptsächlich für die Überwachung und Steuerung des Produktionsflusses zuständig. Dabei arbeiten wir im Team im Schichtdienst: Früh, Spät und Nacht – 24/7, 365 Tage im Jahr. Das kommt mir auch entgegen, denn eine Arbeitswoche von Montag bis Freitag ist nichts für mich. Ich habe mich da auch so organisiert, dass es mit der Familie funktioniert.

Mein Arbeitstag ist sehr abwechslungsreich und hängt stark von der Schicht ab. In der Frühschicht liegt der Schwerpunkt beispielsweise auf der Planung und Koordination mit anderen Abteilungen, um die Tagesziele zu besprechen und umzusetzen. Während der Spätschicht steht der Versand der Wafer im Vordergrund. Ich sorge dafür, dass alle Bestellungen rechtzeitig bearbeitet und für den Transport vorbereitet werden. Die Nachtschicht nutze ich oft, um Sonderaufgaben zu bearbeiten und neue Produktionen anzustoßen. Eine der größten Herausforderungen in meiner Rolle ist die Koordination zwischen den verschiedenen Teams und Abteilungen, um sicherzustellen, dass alles reibungslos läuft.

Zudem kümmere ich mich mit Herzblut um unseren Nachwuchs. Das ist auch der Grund, warum ich mich beim Fabmobil e.V. engagiere und als "MINTorin" beim “MINT-to-be“-Programm von Silicon Saxony mitmache.

Infos zum MINT-to-be-Programm

Mit dem Projekt „MINT to be“ will Silicon Saxony geschlechtsspezifischen Stereotypen bei der Berufs- und Studienwahl in den sächsischen Hightech-Branchen entgegenwirken. Das Ziel ist es, vor allem Mädchen und nicht-binären Personen in der Berufsorientierungsphase die Vielfalt spannender MINT-Berufe und -Studiengänge etwa aus den Bereichen Mikroelektronik, Software und Robotik näher zu bringen und sie dabei zu unterstützen, ihren Platz in der Hightech-Welt zu entdecken. Dabei treten MINTor:innen sachsenweit vor Jugendlichen (Klasse 7 bis 13) auf und ermutigen Jugendliche, MINT-Berufe nicht als ausschließlich „typisch männlich“ zu betrachten, sondern als Chance für sich zu sehen.

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Mit dem Projekt „MINT to be“ möchte Silicon Saxony Geschlechterstereotypen bei der Berufs- und Studienwahl in den Hightech-Branchen Sachsens entgegenwirken. (Bild: Silicon Saxony)

Wie war der Übergang von der Pharmazie zur Technik für dich?

Der Wechsel war eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Ich war offen für Neues und bereit, mich in einem mir völlig unbekannten Feld zu beweisen. Globalfoundries unterstützte mich dabei mit zahlreichen Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das Unternehmen förderte meine Neugier und meinen Ehrgeiz, was mir erlaubte, mich vom Test-Bereich bis hin zur aktuellen Position zu entwickeln.

Natürlich muss man das wollen. Also es wird keiner zu einem kommen und sagen, möchtest du nicht das machen oder wäre das nicht etwas für dich? Sondern man muss wirklich proaktiv sein, sich über mögliche Programme informieren und dann Schulungen einfordern.

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Ich hatte zunächst keine Ahnung von Halbleitern, zum Beispiel konnte ich mit dem Wort Transistor nichts anfangen.

Djamila Steinich, Sr. Line Control Technikerin bei Globalfoundries

Welche Ratschläge würdest du jungen Menschen geben, die eine Karriere in der Halbleiterindustrie anstreben?

Mein wichtigster Rat wäre, offen und bereit zu sein, ständig dazuzulernen. Die Halbleiterindustrie ist faszinierend und bietet unzählige Möglichkeiten. Es ist nicht notwendig, sofort ein Experte zu sein. Wichtig ist vielmehr die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden und neue Herausforderungen anzunehmen. Ich ermutige auch ganz speziell Mädchen, sich den technischen Berufen zu öffnen. Gerade Jobs in der Prüfung oder Endkontrolle sind wirklich Jobs, die wie gemacht sind für Frauen. Und ich bin ja auch ein gutes Beispiel, wie lange man es hier aushalten kann.

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Neben der Arbeit in der Fab kümmerte sich Djamila Steinich (l.) auch um den (potenziellen) Nachwuchs. (Bild: Globalfoundries)

Karriere in der Elektronik: Welche Möglichkeiten es gibt und was sich verdienen lässt

Frau sitzt vor einem Monitor und schaut ein Leiterplatten-Layout. Ein Mann schaut mit ihr zusammen auf den Bildschirm

Entdecke die Welt der Elektronikkarriere! Für Berufsanfänger bieten sich vielfältige Chancen: Unser neuer Schwerpunkt zum Thema Karriere informiert über attraktive Berufsbilder, Bildungsmöglichkeiten, und Aufstiegsmöglichkeiten in der Elektronikbranche. Unsere umfassende Seite gibt wertvolle Einblicke und hilfreiche Ratschläge, um deine Karriere in der Elektronik erfolgreich zu starten. Egal ob du Interesse an der Elektronikentwicklung, der Systemintegration oder der Forschung hast, hier findest du die Informationen, die du benötigst, um in diesem dynamischen und zukunftsorientierten Bereich durchzustarten.

Welche Eigenschaften sind in deinem Job besonders wichtig?

Organisationsfähigkeit ist absolut entscheidend, weil wir täglich mit einer Flut von Informationen und Aufgaben umgehen müssen. Ein guter Line-Control-Techniker muss in der Lage sein, Prioritäten zu setzen und sich schnell an verändernde Umstände anzupassen. Soziale Kompetenz ist ebenso wichtig, da wir ständig mit verschiedenen Abteilungen und Teams kommunizieren. Man muss effektiv kommunizieren und auch mal schwierige Nachrichten überbringen können. Die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben, ist unerlässlich, besonders wenn Deadlines näher rücken oder unvorhergesehene Probleme auftauchen. Man muss den Überblick behalten können, auch wenn es chaotisch wird. Hartnäckigkeit und eine positive Einstellung helfen mir persönlich, durch herausfordernde Zeiten zu navigieren und nach Lösungen zu suchen, statt sich von Problemen überwältigen zu lassen.

Wie nimmst du die Arbeitskultur bei Globalfoundries wahr, speziell bezüglich Frauen in technischen Berufen?

Die Arbeitskultur bei Globalfoundries ist im Großen und Ganzen unterstützend und fortschrittlich, besonders in den letzten Jahren hat sich viel getan, um Frauen in der Technik zu fördern. Trotzdem gibt es Herausforderungen. Als Frau in einem technisch orientierten Umfeld muss man oft beweisen, dass man genauso kompetent und fähig ist wie männliche Kollegen. Globalfoundries bietet Netzwerke (GlobalWoman), Fortbildungen und Mentoring-Programme, die besonders Frauen helfen sollen, sich weiterzuentwickeln und aufzusteigen. Die Herausforderung der Work-Life-Balance, besonders für Frauen, die eine Familie haben oder planen, wird ernst genommen, und es gibt flexible Arbeitszeitmodelle, die helfen sollen, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. Trotz dieser Unterstützung muss man als Frau oft noch ein bisschen härter arbeiten, um die gleiche Anerkennung und die gleichen Chancen zu bekommen wie die männlichen Kollegen.

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Die Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, nicht nur zum Erfolg des Unternehmens, sondern auch zur persönlichen Entwicklung von Menschen, macht für mich den wahren Wert meiner Arbeit aus.

Djamila Steinich, Sr. Line Control Technikerin bei Globalfoundries

Gibt es Momente in deinem Job, die besonders stressig sind? Wie gehst du damit um?

Ja, absolut. Besonders stressig wird es, wenn wir knappe Liefertermine haben und alles genau getimt sein muss. Solche Situationen erfordern volle Konzentration und eine klare Kommunikation. Ich versuche in solchen Momenten, mich nicht von der Hektik anstecken zu lassen und stattdessen Schritt für Schritt vorzugehen. Es ist wichtig, das Problem zu analysieren, Prioritäten zu setzen und dann systematisch an der Lösung zu arbeiten. Ich verlasse mich dabei auch auf meine Erfahrung und mein Wissen und bitte bei Bedarf um Hilfe oder Ratschläge von Kollegen.

25 Jahre Chips aus Dresden - Ein Rückblick

Welche Aspekte deiner Arbeit findest du besonders erfüllend?

Das sind gleich mehrere: Zum einen ist es die Zufriedenheit, die sich einstellt, wenn wir als Team ein besonders kniffliges Problem gelöst haben oder wenn ein Produktionszyklus erfolgreich abgeschlossen wurde und die Wafer pünktlich und in Top-Qualität an den Kunden ausgeliefert werden. Es ist auch immer wieder spannend zu sehen, wie die Produkte, an denen wir arbeiten, in der realen Welt Anwendung finden und technologischen Fortschritt ermöglichen. Nicht zuletzt finde ich es erfüllend, wenn ich meine Erfahrungen und Kenntnisse an jüngere Kollegen weitergeben kann und sehe, wie sie sich entwickeln und wachsen. Die Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, nicht nur zum Erfolg des Unternehmens, sondern auch zur persönlichen Entwicklung von Menschen, macht für mich den wahren Wert meiner Arbeit aus.

Der Autor: Dr. Martin Large

Martin Large
(Bild: Hüthig)

Aus dem Schoß einer Lehrerfamilie entsprungen (Vater, Großvater, Bruder und Onkel), war es Martin Large schon immer ein Anliegen, Wissen an andere aufzubereiten und zu vermitteln. Ob in der Schule oder im (Biologie)-Studium, er versuchte immer, seine Mitmenschen mitzunehmen und ihr Leben angenehmer zu gestalten. Diese Leidenschaft kann er nun als Redakteur ausleben. Zudem kümmert er sich um die Themen SEO und alles was dazu gehört bei all-electronics.de.

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